Gemeinde im Glück: doch EU-Euros für neues Busgutachten

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Warten auf den Bus am AKN-Bahnhof

Das geht ja tatsächlich gut los im neuen Jahr. Jetzt gibt es doch noch Geld von der ‚Aktivregion Alsterland‘ für das geplante Busgutachten. Der Förderverein hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen knapp 27.000 Euro für eine ‘Machbarkeitsstudie zur Verbesserung der innerörtlichen Busverkehre in Henstedt-Ulzburg‘ beizusteuern. Insgesamt soll das Gutachten rund 60.000 Euro kosten. Die Gemeinde erhofft sich aus der geplanten Studie neue Erkenntnisse, wie man mehr Bürger dazu bewegen kann, den Bus statt das Auto zu nutzen.

Was ist die ‘Aktivregion Alsterland‘?

Der interkommunale Verein mit hauptamtlicher Regionalmanagerin verteilt auf Antrag Geld aus dem ‘Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes‘. Im September hatte er den Bus-Förderantrag der Gemeinde noch abgelehnt. Bauamtsleiter Jörn Mohr lieferte dafür im Ratssaal folgende Begründung: „Aus deren Sicht wird Geld verpulvert.“

Im zweiten Anlauf rollt der Rubel nun trotzdem, kleiner Wermutstropfen dabei: die Fördereuros bekommt die Gemeinde nicht zum Nulltarif. Henstedt-Ulzburg zahlt jährlich rund 10.000 Euro (35 Cent je Einwohner) Mitgliedsbeitrag an die ‚Aktivregion Alsterland‘ .

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  1. Januar 2017

7 thoughts on "Gemeinde im Glück: doch EU-Euros für neues Busgutachten"

  1. Hier mal einige Mängelanalyse-Auszüge aus dem Verkehrsstrukturgutachten:

    Insgesamt weist das ÖPNV-Angebot in Henstedt-Ulzburg ein erhebliches
    Optimierungspotenzial auf. Viele Gebiete haben keine direkte Anbindung
    an die AKN. Auch wichtige Ziele wie die Paracelsus-Klinik sind unzureichend
    angebunden.

    Die Haltestellenabdeckung und -ausstattung ist sehr unterschiedlich.

    Die Linienführung der Busse ist oft unübersichtlich, da die Linienverläufe
    und Taktzeiten im Laufe des Tages stark variieren. Auch bestehen geringe
    Taktdichten und schwer merkbare, unregelmäßige Abfahrzeiten.

    Mit Ausnahme des Schülerverkehrs sind die Busse vielfach nicht ausgelastet.

    Qualitativ hochwertige Umsteigebeziehungen sind nicht immer
    vorhanden. Dies liegt unter anderen an den im Tagesverlauf teilweise
    stark schwankenden Fahrzeiten.

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    Die identifizierten, zentralen Handlungsbedarfe zum ÖPNV in Henstedt Ulzburg
    sind:

    Ganztägige, umsteigefreie Anbindung der wichtigen Ziele

    Regelmäßige, leicht merkbare Taktzeiten

    Einheitliche, verständliche Linienführungen

    Funktionierende Anschlussverbindungen

    Verbesserung der Anbindung der Paracelsus-Klinik

    Verbesserung der Pünktlichkeit der Busse

    Verbesserung der Zugänglichkeit der Haltestellen

    Verbesserung der Fahrgastinformation

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    Wenn es das Ziel ist – bis 2015 – die Nutzung des ÖPVN um 40% auszubauen, bedarf es schon erheblicher Anstrengungen!

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    P.S.: Die Anschlusssicherung (Ulzburg Süd) zwischen den Linien 293 und 593 und der AKN ist nur teilweise gegeben (vgl. Tabelle 7 im Verkehrsstrukturgutachten).

  2. „Eine Verbesserung, die sofort greifen würde und kein Geld kostet, ist z. B., wenn der Bus am AKN-Bahnhof Ulzburg-Süd auf die aussteigenden Fahrgäste warten würde und nicht ohne diese los fährt (was erst kürzlich wieder geschehen!)“

    Schreiben Sie der VHH. Das sollte nicht passieren.

    „Das Konzept sah ca 6.000 Mitglieder (Bürgerbeteiligung) vor. – Frage: „Wie viele Interessenten hat man bisher gewonnen?““

    Jedenfalls keine 6.000. Ich halte das ohnehin für extrem utopisch, kurzfristig 20 % der Einwohner als Mitglieder zu gewinnen. Das sind vermutlich mehr Menschen, als heute überhaupt im Monat Bus fahren.

    PS:
    “ Die Gemeinde erhofft sich aus der geplanten Studie neue Erkenntnisse, wie man mehr Bürger dazu bewegen kann, den Bus statt das Auto zu nutzen.“

    Tipp: Schauen Sie sich das Foto oben an. Achten Sie auf das Wartehäuschen. Es gibt tatsächlich in ganz Henstedt-Ulzburg kein einziges intaktes Häuschen in Verantwortung der Gemeinde. Alle sind defekt, alle. (Stand: Herbst 2016)

  3. Bringt diese Machbarkeitsstudie neue Erkenntnisse?

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    Veröffentlich hier vor 2 Jahren: „Bringen Sie Zeit zum Lesen mit – hier kommt die Busrevolution für Henstedt-Ulzburg“:

    „Das Papier beziffert die jährlichen Kosten auf 780.000 Euro, der Löwenanteil entfällt dabei auf Personalausgaben für etwa 14 fest angestellte Busfahrer. Finanziert werden soll die Busrevolution über die Umleitung von Förderzuschüssen, die bisher an den HVV bezahlt werden und durch Vereinsbeiträge – der Vereinsbeitrag von kalkuliert jährlich 60 Euro ist auch gleichzeitig der Jahresfahrpreis. Busfahren durch die Großgemeinde im 20-Minuten-Takt würde demnach pauschal fünf Euro im Monat kosten.“

    „Die Förderzuschüsse aus dem Kreis und den Gemeinden sollten ein verlässlicher Block an der Gesamtfinanzierung sein.“ – Nur wurde nicht zwischenzeitlich festgestellt, dass die Förderzuschüsse nicht an den Verein fließen?

    Das Konzept sah ca 6.000 Mitglieder (Bürgerbeteiligung) vor. – Frage: „Wie viele Interessenten hat man bisher gewonnen?“

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    Und zur Erinnerung aus dem Verkehrstrukturgutachten zitiert:

    „Die Verkehrsgutachter von Dresden-Berlin-Consult, die im Auftrag der Gemeinde im vergangenen Jahr die gesamte Verkehrssituation in Henstedt-Ulzburg durchleuchtet hatten, hatten in ihrem Gutachten ebenfalls Verbesserungen des Bus-Verkehrs vorgeschlagen, allerdings im bestehenden HVV-System und für zusätzlich jährlich 560.000 Euro. Müller dazu: „Soviel Geld wird die Gemeinde in eine Verbesserung des ÖPNV niemals hineinstecken können, deshalb ist die Idee unseres Bürgerbusses eben eine ganz andere, dort geht es um eine Solidarität der Bürger.“

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    Bei allen Optimismus, eine Busrevolution wird es nicht geben. Beiden Konzepten „Bürgerbus“ und „Verkehrsstrukturgutachten“ fehlt die Finanzierbarkeit.

    Was bleibt sind höchsten Nuancen zur Verbesserung des ÖPVN, die man auch selbst aus dem vorliegenden Verkehrsstruturgutaschten hätte heraus treffen können.

    Ist es da nicht effektiver das Geld für eine Machbarkeitsstudie in das Projekt selbst zu stecken?

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    Eine Verbesserung, die sofort greifen würde und kein Geld kostet, ist z. B., wenn der Bus am AKN-Bahnhof Ulzburg-Süd auf die aussteigenden Fahrgäste warten würde und nicht ohne diese los fährt (was erst kürzlich wieder geschehen!)

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    P.S.: Hat man Kaltenkirchen zu deren Erfahrungen mit einem „City-Bus“ befragt? Da soll es lt. Berichten Probleme geben.

    1. „wenn der Bus am AKN-Bahnhof Ulzburg-Süd auf die aussteigenden Fahrgäste warten würde und nicht ohne diese los fährt (was erst kürzlich wieder geschehen!)“
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      Das passiert gefühlt immer. Wenn ich von Norderstedt kommend aus der A2 steige, sehe ich zwar oft den Bus dort halten, aber müsste schon übelste Hast an den Tag legen, da noch mitzufahren. Fährt von zum U-Süd-Bhf. hin mit dem 293 (aus U-Mitte kommend), so lässt der 293 nur seine Fahrgäste aus-/einsteigen und fährt sofort weiter, während jeder gut sehen kann, dass die A1 aus HH kommend gerade erst einfährt. Die A2-Fahrer interessiert es auch oft nicht, ob noch Busfahrgäste mitwollen. Sind die A1-Züge erstmal abgefahren, gibt die A2 auch Vollgas.
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      Die Beschwerdemails an den HVV habe ich auch schon mal losgelassen (weil ab 18 Uhr die Busse auch gern mal früher als im Fahrplan vorgesehen abfahren!). Nachdem man das schon fast wieder vergessen hat, kommt noch ein Feedback: Man habe den Fahrer identifizieren können und ihn darauf hingewiesen, das er nie früher losfahren soll. Naja. Aber welche Konsequenzen drohen dem? Da müssten schon Beschwerdelawinen per Kontaktformular eingehen… und gibt es nicht einen Busfahrermangel?
      Aber der Roboterbus ist ja schon in der Erprobung: http://www.wiwo.de/technologie/auto/roboterautos-das-ende-von-linienbus-und-strassenbahn-/14648184.html

      Man sollte die Busbewegungen per GPS tracken und realtime gegen den Fahrplan abgleichen. Und über dem Fahrer ein Display anbringen: Zeigt ein großes rotes X, wenn es zu früh ist, und ein grünes Ausrufezeichen, wenn es losgehen kann. Verbunden mit der Info: Fährst Du bei rotem X los, klingelt es im Pünktlichkeitsmanagement-Dashboard von Deinem Chef. Und am Monatsende werden auf dieser Datenbasis die sicherlich beliebten Nacht- und Wochenendschichten „verlost“… ebenso wie die Boni für Busfahrer, die erkannt haben, warum es sie gibt und sich kundenorientiert verhalten.

      1. „Das passiert gefühlt immer. Wenn ich von Norderstedt kommend aus der A2 steige, sehe ich zwar oft den Bus dort halten, aber müsste schon übelste Hast an den Tag legen, da noch mitzufahren.“

        In welche Richtung wollen Sie Bus fahren?

        Richtung Ulzburg-Zentrum soll der 293er in Ulzburg Süd immer auf Minute 7 bis 9 abfahren. Die A2 kommt planmäßig erst danach, auf Minute 0, an. Wenn es gut läuft, in den letzten Sekunden der Minute 9. Das heißt, in diese Richtung sehen Sie den Bus tatsächlich „immer“, aber der Anschluss ist gar nicht vorgesehen. (Hatten wir hier schon, oder?)

        “ Fährt von zum U-Süd-Bhf. hin mit dem 293 (aus U-Mitte kommend), so lässt der 293 nur seine Fahrgäste aus-/einsteigen und fährt sofort weiter, während jeder gut sehen kann, dass die A1 aus HH kommend gerade erst einfährt.“

        Der 293 soll auf Minute 4 fahren. Die A1 kommt planmäßig auf Minute 1 an. Der Anschluss sollte also eigentlich gewährleistet werden, gerade bei nur 1 Minute zusätzlicher Verspätung der 293. Hier würde ich nachhaken.

        „Die A2-Fahrer interessiert es auch oft nicht, ob noch Busfahrgäste mitwollen. Sind die A1-Züge erstmal abgefahren, gibt die A2 auch Vollgas.“

        Einen Anschluss vom 293 zur A2 haben Sie planmäßig nur aus Richtung Rhen bei 4-6 Minuten Übergangszeit.

        Die AKN wartet allerdings nicht auf verspätete Busse. Hier konkret wäre es aus meiner Sicht eventuell möglich, 1 Minute zu warten, ohne den Anschluss zur U1 zu gefährden. Dagegen spricht die sehr geringe Zahl der potentiellen Umsteiger, da die meisten Fahrgäste des 293 aufgrund der Fahrtzeit eher in Norderstedt Mitte umsteigen werden. Außerdem gibt es aktuell einfach keinen Prozess, über den der AKN-Lokführer vom verspäteten Bus erfahren kann.

        „Man sollte die Busbewegungen per GPS tracken und realtime gegen den Fahrplan abgleichen. Und über dem Fahrer ein Display anbringen: Zeigt ein großes rotes X, wenn es zu früh ist, und ein grünes Ausrufezeichen, wenn es losgehen kann. “

        Das System gibt es. Schauen Sie mal beim VHH-Fahrer auf das Display am Fahrkartendrucker. Dort wird in der obersten Zeile die aktuelle Verspätung-/Verfrühung angezeigt. Die Fahrzeuge der Hochbahn verfügen bereits über grafikfähige Touchdisplays. Bei Verfrühung ist die Zeit rot unterlegt.

        1. „Außerdem gibt es aktuell einfach keinen Prozess, über den der AKN-Lokführer vom verspäteten Bus erfahren kann.“
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          Doch: Linker Außenspiegel, die ein A2-Fahrzeug ja lustigerweise auch hat. Mir ist der schon weggefahren, als ich schon die Bahnsteigrampe hochgehechelt bin, hatte fast noch die Fingerspitze am Türknopf, als er den Diesel hat Röhren lassen… ich war nur den zu übersehen, der das auch wollte!
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          Für den Fahrgast ist am Ende egal, ob man Anschlüsse verpasst, weil die Fahrpläne das vorsehen (!?!), nicht genug Zeitreserve beinhalten oder der Fahrzeugführer macht, was er will statt was er soll. Oder dauernd was kaputt ist, was man normalerweise durch Wartung oder Erneuerung behebt. Eine gute Werbung für den ÖPNV ist ein Fahrplan, der annehmbare Fahrtzeiten verheißt und eine Realität, die das auch verwirklicht.
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          Fährt man von HU nach Bramfeld, steigt man 4x um (davon 1x mit längeren Fußwegen). Und jeden 2. Tag schafft es eines der beteiligten Verkehrsmittel, den Fahrplan lügen zu strafen. Was immer die Ursachen sind: Irgendwann müsste man Sie doch entweder eliminieren oder aber im Fahrplan abpuffern. Aber Pseudoaussagen der HVV-App, die permanent nicht belastbar sind, treiben die Leute dann eben ins Auto. Fühlt sich danach ab, die Dinge selbst gestalten zu können. Was auch nur eine Pseudowahrnehmung ist. Aber gerade weil das Auto so ein teurer und anstrengender Konkurrent ist, sollte der ÖPNV doch wenigstens zuverlässig arbeiten. Zumal dauernd die Preise erhöht werden.

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