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Wie viel Dorf steckt in Henstedt? | Henstedt-Ulzburger

Wie viel Dorf steckt in Henstedt?

Henstedt Dorf_Poster_DIN A3xMitteilung aus dem Rathaus

Der Ortsteil Henstedt in der Gemeinde Henstedt-Ulzburg ist wie Ulzburg und Götzberg als Bauerndorf entstanden. Durch die erhebliche Expansion der Gemeinde in den letzten Jahrzehnten sind jedoch die Spuren dieser Vergangenheit kaum noch zu finden. Nur Götzberg hat wohl am ehesten seinen Dorfcharakter bewahrt, während in Ulzburg beispielsweise kaum noch etwas daran erinnert.

In Henstedt sind mit einzelnen, noch erkennbaren, Hofstellen im Prinzip ebenfalls nur noch Relikte vorhanden, doch hier blieb in den letzten Jahrzehnten auch die Neubebauung weitgehend kleinteilig und aufgelockert, geprägt durch vorwiegend freistehende Einfamilienhäuser oder Bereiche mit Reihenhäusern. Mehrfamilienhäuser sind in Henstedt bisher die Ausnahme.

In vielen Diskussionen zur Ortsteilentwicklung, so auch in den Vor-Ort-Terminen und in den Bürgerwerkstätten im Zuge der Innenentwicklungspotenzialanalyse in 2017/2018 oder des Integrierten Gemeindeentwicklungskonzepts (IGEK) in 2018/2019, betonten die Bürgerinnen und Bürger daher immer wieder, dass es ihnen wichtig ist, diesen „dörflichen Charakter“ auch in den anstehenden Veränderungsprozessen der nächsten Jahre zu bewahren. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass diesen Einschätzungen sehr unterschiedliche Auffassungen des „Dörflichen“ zugrunde liegen.

Daher soll in einer kleinen Werkstatt mit Henstedter Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet werden, was ein Dorf generell ausmacht, welche baulich-räumlichen, ggf. auch sozialen Strukturen Henstedts gemeint sind, wenn vom „dörflichen Charakter“ gesprochen wird, und welche Schlussfolgerungen für die weitere Entwicklung Henstedts abzuleiten wären.

Die Gemeindeverwaltung lädt daher alle interessierten Bürgerinnen und Bürger am Samstag, den 23. November, in das Gemeindehaus der Erlöserkirche in der Kisdorfer Straße 12 in Henstedt ein, um über diese Fragestellungen zu diskutieren. Gerne können Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu auch Fotos mitbringen, die aus ihrer Sicht den dörflichen Charakter Henstedts zeigen. Los geht es um 11 Uhr, Schluss wird voraussichtlich um 16 Uhr sein. Eine Teilnahme ist nur mit Anmeldung möglich, diese können Sie an Frau Pfalzgraf richten: martina.pfalzgraf@h-u.de oder Tel.: 04193-963-425.

Die Veranstaltung wird vom Büro Weeber+Partner (Institut für Stadtplanung und Sozialforschung Stuttgart, Berlin) moderiert, bei geeignetem Wetter wird ein Spaziergang unternommen. Für Snacks und Getränke zwischendurch ist gesorgt.

pm

8. November 2019

Ein Kommentar zu "Wie viel Dorf steckt in Henstedt?"

  1. Oliver Blau sagt:

    Das die Landwirte diese Woche protestieren, dürften die Meisten mitbekommen haben. Eine Art stiller Protest zeigt sich seit Wochen durch die aufgestellten grünen Kreuze an Feldrändern. Zudem gibt es im Ort einen geplanten Workshop zur Frage, wieviel Dorf noch im Ortsteil Henstedt steckt. Das wirft in mir die Frage auf, ob der Begriff Dorf nicht automatisch und unverrückbar mit der Landwirtschaft verbunden ist? Gibt es Dorf ohne Landwirtschaft überhaupt? Ich bin in Henstedt aufgewachsen. Noch in den 70ern bis 80er waren die Bauern diejenigen, die den Ort geprägt haben. Der ganze Wöddel war ursprünglich überwiegend durch Bauernhöfe umringt, nebst Schmiede, die vor allem der Landwirtschaft diente. Inzwischen sind sie alle weg dort, und wenn noch bestehend, dann in den Bereichen, die man als „Feldmark“ bezeichnet. Das früher ständig Mistgeruch in der Luft lag, Kuhherden durch den Ort getrieben wurden, oder Trecker schwere Walzen ziehend durch den Ort rumpelten, war für alle Bürger selbstverständlich. Henstedt ist einfach kein Dorf mehr, anders als Götzberg, wo immer noch in der Ortsmitte Landwirtschaftsbetriebe stehen. Und ja, es häufen sich in HU vermehrt Beschwerden über das Verhalten von Landwirten, wenn sie mit mittlerweile riesigen Landmaschinen durch die Straßen fahren (in Erntezeiten Tag und Nacht), oder starke Verschmutzungen von Feldern auf die Straßen tragen („Wieso müssen die das nicht wegmachen?“) etc. Und natürlich sind sie auch schuld an Nitratbildung im Wasser, sowie Massentierhaltung usw. Beides kann meiner Meinung nach übrigens am besten über das Verbraucherverhalten gesteuert werden, but anyway. Wir leben in einem Ort, der die Landwirte herausgetrieben hat aus den Ortsmitten. Die Beliebtheit von denen ist gefühlt auch nicht gestiegen. Aber auf der anderen Seite soll ein künstlich erhaltener Dorfcharakter in Henstedt bleiben, damit man sich gut fühlt? Viele Bürger wollen den Ort grün erhalten (so auch ich), aber die Landwirte stören? Keine Berufsgruppe erhält so viel Grün in unserem Land, wie die Landwirtschaft. Und ja, bevor die Konter kommen: Ich weiß auch, dass ein Dorfcharakter nicht ausschließlich durch Landwirte geprägt wird. Aber „Dorf“ und „Grün“ sind für mich persönlich automatisch mit der Landwirtschaft verknüpft. Mit allen damit verknüpften Kompromissen. Und zur Info: Ich bin Ur-Henstedter, und weiß, wie dieser Ortsteil tickt.

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