Henstedt-Ulzburger Nachrichten

C02 soll gezählt werden: Ortspolitiker beschließen Klimakonzept – FDP-Schupp: Lasst uns doch lieber Wald anpflanzen – Kandidat Klupp: Schupp hat Recht

Wald ist ein prima Klima-Helfer, findet Jan Schupp. Ein Hektar Wald speichert jedes Jahr auf neue etwa 13 Tonnen C02

Dicker Konsens zu Beginn der Woche im Ratssaal. Mit großer Mehrheit haben die Ortspolitiker am Montag beschlossen, ein Klimaschutzkonzept in Auftrag zu geben.

Ziel soll insbesondere sein, alle C02-Emissionen der Großgemeinde zu zählen. Die Gemeinde brauche eine Ausgangsbasis, um ablesen zu können, wie viele Emissionen mit welchen Maßnahmen eingespart werden können, sagte Danja Klüver von den Grünen. Deutschland habe sich verpflichtet bis zum Jahr 2030 50 Prozent seiner Treibhausgase einzusparen, das müsse die Gemeinde umsetzen, so Klüver weiter.

In der Vergangenheit hatte es bereits mehrere Anläufe für ein gemeindliches Klimaschutzkonzept gegeben, bis Montag hatte sich aber immer nur Rot-Grün für so eine Analyse stark gemacht, nun hoben auch CDU, BFB und WHU die Hand für das nächste Gutachten. Einzig die Liberalen blieben bei ihrer ablehnenden Haltung. FDP-Chef Jan Schupp stimmte als einziges Mitglied des Natur- und Umweltausshusses mit Nein. Er forderte stattdessen, Maßnahmen umzusetzen, anstatt Papiere anfertigen zu lassen.

Ganz konkret hatte Schupp einen Antrag vorgelegt, der die Aufnahme von Verhandlungen zum Aufkauf von Flächen zur Aufforstung vorsah. Zur Erinnerung: Im Oktober hatte er das Pflanzen von einzelnen Bäumen zur Klimarettung als Symbolpolitik gegeißelt, stattdessen gefordert mal richtig ranzuklotzen. Schupp im Herbst vergangenen Jahres: “Einen Quadratkilometer Wald pflanzen, das würde ich mir wünschen.“ Schupps Riesenwald-Antrag wurde am Montag allerdings von allen anderen Fraktionen von der Tagesordnung genommen – wegen Beratungsbedarf.

Ganz grundsätzlich gefragt: lokaler Klimaschutz, macht der überhaupt Sinn? Die Antwort der HU-Nachrichten lautet: Wald anpflanzen ist okay, vieles andere aber einfach wirkungslos. Und das Argument hierbei ist nicht, dass das gemeindliche Treibhausgasvolumen global betrachtet im Promillebereich liegt. Sondern weil z.B. die europäische Stromerzeugung nahezu komplett dem europäischen Emissionshandelsregime unterliegt. Das bedeutet, dass Unternehmen wie RWE, ENEL, EDF und wie sie alle heißen mit ihren Kraftwerken jährlich nur eine bestimmte Menge Co2 in die Luft pusten dürfen und dafür eine bestimmte Menge handelbare Zertifikate zugeteilt bekommen – wer mehr braucht, muss zukaufen, wer weniger C02 verbraucht kann seine Zertifikate veräußern.

Spart die Gemeinde nun durch besondere Anstrengungen Strom, stößt der lokale Stromerzeuger vielleicht weniger C02 aus, auf die C02-Menge die insgesamt europaweit bei der Stromerzeigung emittiert wird, hat das aber keinen Einfluss, höchtens auf den Preis der Emissionszertifikate. Denn die Menge ist vorgegeben und wird, solange der Zertifikate-Preis ein Knappheitssignal anzeigt, auch ausgeschöpft werden. Aktuell liegt der Preis für den Ausstoß einer Tonne C02 bei 23 Euro.

Das Klima war gestern übrigens auch Thema bei der gemeindlichen Bürgermeister-Kandidatenrunde in der Grundschule Ulzburg-Süd. Alle Bewerber halten Klimaschutz für eine wichtige Sache, von einem Kandidaten gab es darüber hinaus Unterstützung für den FDP-Wald-Vorstoß. Schupp habe Recht mit seiner Forderung nach mehr Wald in Henstedt-Ulzburg, sagte Optiker Sascha Klupp in seiner Rede.

cm
7. Februar 2020