Kampf um Leben und Tod am Henstedter Ortsausgang: Zur Zeit versuchen dort Frösche und Kröten in der Dämmerung von ihren Winterquartieren östlich der Götzberger Straße zu ihrem Laichgewässer auf der anderen Seite der Straße zu gelangen. Die aus der Winterstarre erwachten Tiere ahnen nichts von der todbringenden Gefahr, die dort auf sie lauert. Statt in einem Satz über die Fahrbahn zu springen, verweilen die Amphibien gern noch etwas auf dem Asphalt: Der gibt jetzt die Sonneneinstrahlung des Tages wieder ab, ist damit für die Tiere im Vergleich zur Umgebung angenehm warm.
Henstedt-Ulzburgs Tierschützer vom Nabu versuchen derzeit ein allzu großes Gemetzel zu verhindern, sammeln die Tiere in Eimern entlang aufgestellter Schutzzäune und tragen sie über die Straße. Doch nicht alle Vierbeiner landen in den Eimern der Umweltschützer, viele entwischen durch die Zaunlücken. So ist der Schutzzaun etwa dort, wo der Wanderweg die Götzberger Straße kreuzt, unterbrochen.
Das Perfide am Kraftfahrzeugverkehr: Die Gefahr ist für Kröten und Frösche auch dann noch nicht vorbei, wenn sie den gegenüberliegenden Fahrbahnrand erreicht haben. Nabu-Ortsvorsitzender Holger Möckelmann: „Durch schnell vorbeifahrende Autos entsteht so ein starker Sog, dass die Amphibien regelrecht zerplatzen.“ Zwar seien Schilder aufgestellt worden, die auf die Krötenwanderung hinweisen, viel zu wenige Verkehrsteilnehmer würden aber auf die Bremse treten. „Viel mehr als 30 Kilometer pro Stunde halten Amphibien nicht aus“, weiß Möckelmann. Der Krötentreck verläuft knapp außerhalb des Ortseingangsschildes. Dort ist Tempo 70 erlaubt: „Ich habe angefragt, ob man die 70-kmh-Schilder, die kurz vor dem Ortseingang aufgestellt sind, wenigstens durch 50-kmh- Schilder ersetzen könne. Das ist nicht möglich.“
Nachfrage der HU-Nachrichten: Wer hat Ihnen das erzählt? „Ein Mann von der Gemeinde, der für Verkehrssachen zuständig ist, Scharf hieß der Mann.“
Norbert Scharf, der am Montag nach einer Urlaubspause wieder seinen Dienst im Rathaus angetreten hat, will sich gegenüber den Henstedt-Ulzburger Nachrichten nicht zum Krötendilemma äußern. Begründung: „Weil ich mich gegenüber Herrn Möckelmann ausreichend geäußert habe.“ Ein zweites Mal wolle er dazu keine Informationen herausgeben, sagt der stellvertretende Leiter des Henstedt-Ulzburger Ordnungsamts.
Der Schutzzaun an der Götzberger Straße ist mittlerweile der letzte seiner Art in der Großgemeinde: Am einstigen Krötenparadies Rugenvier verzichtet der Nabu in diesem Jahr mit der Aufstellung einer Barriere. „Wir haben uns seinerzeit darauf verständigt, wenn wir unter 100 Tiere zählen, bauen wir keine Zäune mehr auf, weil der Arbeitsaufwand zu hoch ist. Vor zehn Jahren hatten wir 2.000 Tiere gezählt, im letzten Jahr nur noch 90“, sagt Möckelmann. Ein Grund des Verschwindens von Kröten und Fröschen im Nordwesten der Gemeinde: Einen Teil des einstigen Amphibien-Lebensraumes am Rugenvier bansprucht der Mensch mittlerweile für sich. Dort befindet sich seit 2005 der Bürgerpark.
Christian Meeder
1. April 2014