Stromtrasse: Enttäuschung, Widerstand, Klagedrohung

Die gelbe Linie unten links stellt den Trassenverlauf der Nord-Süd-Leitung dar, die an das Umspannwerk Friedrichsgabe angebunden werden soll. Auf der roten Linie könnte die Ost-West-Trasse verlaufen.
Auf der roten Linie soll die neue Ostküstenleitung verlaufen. Das neue Umspannwerk soll in Autobahnnähe enstehen. Die gelbe Linie  stellt den Trassenverlauf der fertig-geplanten Nord-Süd-Leitung dar, die an das Umspannwerk Friedrichsgabe in Norderstedt angebunden werden soll.

Enttäuschung bei Henstedt-Ulzburgs zweitgrößter Ratsfraktion über die Trassenentscheidung von Stromnetzbetreiber Tennet: „Die Entscheidung die Stromtrasse durch Henstedt-Ulzburg zu leiten und hier ein Umspannwerk zu planen, ist erschreckend, war aber nach den Präsentationen im Januar zu erwarten“, sagt Karin Honerlah. Das holländische Staatsunternehmen hatte am Mittwoch den Routenverlauf der Ostküstenleitung bekanntgegeben. Insbesondere Ulzburg-Süd ist betroffen, im Bereich Beckershof/A7 soll zudem auf 100.000 Quadratmetern ein Umspannwerk entstehen.

Die WHU ist enttäuscht über die Trassenentscheidung, kritisiert aber auch die Henstedt-Ulzburger Rathausführung.

Honerlah: „Im Gegensatz zu Kaltenkirchen, wo sich Bürgermeister und Politik bereits im Jahre 2012 gemeinsam stark machten gegen die Ostküstenleitung und Tennet der Stadt anschließend zusagte, dort kein Umspannwerk zu bauen, hat es trotz vieler Bemühungen der WHU erst vor 10 Wochen in Henstedt-Ulzburg den Beschluss zu einer gemeinsamen, die Stromtrasse ablehnenden Stellungnahme gegeben – gerade noch rechtzeitig vor Ende des Dialogverfahrens“. Tatsächlich war eine mögliche Betroffenheit der Großgemeinde durch die Ostküstenleitung bereits vor drei Jahren im Netztentwicklungsplan erkennbar und nachlesbar – die HU-Nachrichten titelten im Oktober 2012: „Zweite Trasse soll ausgebaut werden…Neues Umspannwerk im Raum Kaki…Verwaltung weiß nichts von Mitspracherechten!“

Bürgermeister Bauer hatte dagegen die abwartende Haltung der Verwaltung verteidigt. Für eine frühzeitige Beteiligung der Gemeinde im vorgeschaltetem Konsultationsverfahren habe keine Notwendigeit bestanden, weil Henstedt-Ulzburg, anders als etwa Kaltenkirchen, nicht von einer konkreten Planung betroffen gewesen sei, so der Verwaltungschef am Donnerstag.

Jetzt ist dafür die Trassenplanung umso konkreter –  Stromnetzbetreiber Tennet möchte 2018 mit dem Bau beginnen und sofort mit der Feinplanung loslegen. Bürgermeister Bauer will dem Unternehmen allerdings klarmachen, sich doch noch einmal mit Alternativrouten zu beschäftigen: „Wir werden aufzeigen, dass die Raumwiderstände in dem Bereich so groß sind, dass die Tennet von sich aus auf eine andere Route umschwenken muss“, sagte der Verwaltungschef.

Auch die örtliche SPD hat jetzt Widerstand angekündigt – sie wäre bereit Klage einzureichen. Fraktionschef Horst Ostwald: „Es ist aus meiner Einschätzung kein Zufall, dass der Zuschlag ausgerechnet auf die Trasse fällt, die angeblich nicht nur den geringsten Raumwiderstand aufzeigt und dann gleichzeitig die wirtschaftlichste ist. Die Gemeinde hat in ihrerStellungnahme zum Raumwiderstand deutlich gemacht, wo der Korridor über Henstedt-Ulzburg nicht ausreichend bewertet bzw. falsch bewertet wurde. Warum eine Stromtrasse entlang der Autobahn A20 – die wir nach wie vor fordern – nicht in Frage kommt, ist für uns nicht nachvollziehbar. Letztendlich stellt sich für die Gemeinde aus meiner Sicht die Frage, ob juristische Wege beschritten werden müssen, um die nicht akzeptable vorgesehene Lösung abzuwehren.“

Ostwald erklärte auch die landespolitischen Möglichkeiten der SPD ausschöpfen zu wollen. Die SPD regiert Schleswig-Holstein gemeinsam mit Grünen und SSW, stellt den Ministerpräsidenten. Sollten im weiteren Dialog keine Änderungen zu erreichen sein, müsse aber spätestens zum Planfeststellungsverfahren über eine Klage entschieden werden – die SPD sei bereit, diesen Weg zu gehen, so der wichtigste SPD-Vertreter Henstedt-Ulzburgs.

Falls der Widerstand erfolglos bleibt, durchziehen den Bereich Beckershof zukünftig nicht nur eine, sondern gleich zwei 380kv-Höchststromleitungen. Bereits vor einem Jahr war die Großgemeinde mit einem Einspruch gegen den Verlauf der im Planungsstadium viel weiter fortgeschrittenen Nord-Süd-Trasse gescheitert.

cm

25. April 2015

3 thoughts on "Stromtrasse: Enttäuschung, Widerstand, Klagedrohung"

  1. Die schnelle Terminierung überrascht nicht, so wurde es bereits in Bad Oldesloe angekündigt.
    Man will jetzt die Feinplanung auch vertraglich regeln. Wir bieten uns als Fraktion der WHU an, hier die Plan- und Vertragsunterlagen zu prüfen und die Anliegen der Anwohner politisch zu vertreten. Allerdings sind wir auf Kontaktaufnahme durch die angeschriebenen Grundeigentümer angewiesen, da uns die Kenntnis fehlt, auf welchen konkreten Flächen neue Masten und Leitungen errichtet werden sollen.

  2. Mittlerweile zeigt die Tennet, wie eilig sie es mit der „Feinplanung“ der 380KV-Leitung über Ulzburg-Süd hat. Die Bewohner an Altdammstücken, die eine Grundbucheintragung der aktuellen 110/220KV-Trasse haben wurden bereits angeschrieben. Ihnen wird die „Rückbaumaßnahme“ der 220KV Leitung und die Eneuerung auf 380KV mit möglichen Strommasten auf den Grundstücken mitgeteilt. Mit ihrer Unterschrift sollen sie diese Maßnahme zur Kenntnis nehmen und den Mitarbeitern der Tennet freien Zutritt für die Planungs- und Installationsarbeiten gewähren.
    Ich denke, es ist höchste Zeit, daß die Gemeindevertreter und Bürgermeister mit diesen Betroffenen unverzüglich Kontakt aufnehmen, weil große Unsicherheit besteht. Die Grundstückseigentümer / Pächter wollen wissen, wie sie sich verhalten sollen. Denn hier wird von der Tennet unterstellt, daß die 380KV über Ulzburd-Süd und Altdammstücken installiert wird.

  3. Vielleicht sollte man sich endlich mit anderen Energiequellen auseinander setzen, die schon lange da sind. Zum Beispiel Nullpunkt Energie, Tesla http://www.gratis-energie.com/erdenergie/atmos-energie/index.html. Es wird höchste Zeit, wann – wenn nicht jetzt!? Das Institut der Ökoligenz beschrieb vor zwei Jahren: Die Gewinnung von ENERGIE im 21. Jahrhundert – Immer mehr Gemeinden und Kommunen kehren der aufwendigen Energieversorgung durch Großkraftwerke und dem Import über weite Überlandleitungen den Rücken und wenden sich den zahlreichen Möglichkeiten der regionalen Energiegewinnung zu.
    Die Zukunft der Energiegewinnung liegt in der Entwicklung eines breitgefächerten regionalen Energiemixes.
    Zentrale Quelle ist das „Ökoligente Haus“, dass durch Nutzung vertikaler Windturbinen auf dem Dach, photovoltaischer Dachziegeln und Fensterverglasungen, sowie einer Brennstoffzelle im Keller mehr Energie erwirtschaftet, als Haushalt, Elektroauto und private Gewächshäuser benötigen.
    Mittlerweile wird die Technologie der vertikalen Windturbinen derart verfeinert, dass die herkömmlichen Windräder und die benötigten Stromtrassen überflüssig werden. Windstalker ernten auf geringer Fläche große Mengen Wind und Flachdächer von Gewerbegebäuden werden zu idealen Feldern, Wind in Energie umzuwandeln. Wachen wir auf! Wacht auf, wehrt Euch, empört Euch! S. Sass

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