Resolution verpufft, AKN behält Taktung bei – dafür werden die Fahrpreise erhöht!

AKNleer_Trotz Politik-Appell fahren auch im kommenden Jahr nicht mehr AKN-Züge durch den Hamburger Speckgürtel. Mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember ändern sich lediglich ein wenig die Abfahrtzeiten der Züge, eine Taktverdichtung gibt es nicht. Das teilte jetzt die AKN mit. Im September hatte das Henstedt-Ulzburger Gemeindeparlament in einer Resolution häufigere AKN-Fahrten gefordert – wegen des A7-Ausbaus. Weil mit verstopften Straßen gerechnet wird, sollte Pendlern der Umstieg auf die Bahn schmackhaft gemacht werden.

Tatsächlich passiert jetzt das genaue Gegenteil. Die AKN lässt das Angebot so wie es ist, dreht zum Jahreswechsel aber mal wieder an der Preisschraube. Für die Fahrt von Henstedt-Ulzburg in die Hamburger Innenstadt und zurück verlangt das Unternehmen ab Januar 10 Euro (bisher 9,80), wer erst nach neun Uhr losfährt kann einen Groschen sparen, muss 9,90 Euro (bisher 9,70) in den Automaten einwerfen.

AKN-Fahren wird wie jedes Jahr teurer, Autofahren ist dafür billig wie lange nicht: die Spritpreise sinken von Tag zu Tag, bei JET an der Hamburger Straße gabs den Liter Diesel heute für 1,17 Euro, Superbenzin kostete 1,33 Euro. Zum Vergleich: Im März 2012 verlangte die Tanke noch 1,54 Euro für Diesel und 1,68 Euro für Superbenzin.

cm

6. Dezember 2014

23 thoughts on "Resolution verpufft, AKN behält Taktung bei – dafür werden die Fahrpreise erhöht!"

  1. Der hohe Fahrpreis muss was mit dem Breitengrad zu tun haben. In London auch teuer.
    Aber Madrid, Venedig, Rom, Istanbul usw. – da fährt man für einen Bruchteil des hiesigen Preises.
    Ach, ich vergaß – die haben deshalb ja marode Staatshaushalte 🙂

    1. Naja, aber da wird schon der Bau der Infrastrukturen vom Verfahren her einfacher sein und mit weniger Arbeitskosten ablaufen. Und beim Betrieb dito.
      Das nicht nur die Löhne der HVV-Passagiere steigen, sondern auch die der Fahrer, ist ja nichts ungewöhnliches.

      1. Moin,

        ein ganz wesentlicher Faktor ist tatsächlich, welchen Anteil der ÖV-Kosten die Fahrgäste selbst tragen sollen. Das ist ja letztlich eine politische Frage, bei der es für beide Richtungen gute Gründe gibt.

        Dazu kommt die Kostenseite: wie hoch sind die Kosten – also: wieviel gibt man aus für Personal, für Fahrzeuge, für Investitionen? Und: Wie effizient sind die eingesetzt?

        Herr Liebe hat schon richtig festgestellt, dass es in diesem Feld verschiedene Richtungen gibt. Hamburg und Schleswig-Holstein nutzen eher eine Hochpreisstrategie gebündelt mit moderaten Investitionen, die oft eher ineffizient gerieten. Etliche Millionen € aus dem extrem teuren AKN-Ausbau lasten beispielsweise auf der AKN, ohne dass man damit adäquat mehr Fahrgäste und damit Einnahmen erzielen konnte. Man hat einfach den letzten Schritt „vergessen“: die Einbindung ins S-Bahn-Netz.

      2. PS:
        Ich will Ihnen noch einmal kurz ein Beispiel dafür geben, dass Löhne nicht der allein ausschlaggebende Faktor sind:

        In der Schweiz sind Löhne von etwa ~ 13-14 €/h selbst für Ungelernte üblich.

        Die Fahrpreise liegen gleichwohl tendenziell sogar leicht unter denen des SH-Tarifs. Geboten wird dafür aber keine Bimmelbahn, die fast 90 Minuten nach Kiel braucht, sondern ein Taktfahrplan, der zwischen den großen Städten teilweise alle 15 Minuten einen 300 m langen Zug vorsieht und kleinste Käffer in den Bergen von der halben Größe Götzbergs auch am Wochenende zweistündlich anbietet.

        1. In CH hat aber auch ein sehr großer Anteil der Berufstätigen ein „Abo“, das wird auch tatsächlich ausgiebig genutzt. Konnte ich auch in sehr ländlichen Gegenden so verzeichnen. Aber sicherlich auch dort nicht kostendeckend. Ich denke mal, Vater Staat zahlt dann eben mehr. Aber in SH ist die Kasse ja meist leer. Was sicherlich weniger am Speckgürtel HH liegt… 😉
          Unter http://www.nahverkehrhamburg.de/akn/item/1263-fuenf-punkte-warum-die-s-bahn-nach-kaltenkirchen-sicher-kommt glaubt man ja an die S-Bahn-Werdung der A1. Hier sollte ja 2015 das Jahr der Entscheidung werden. Hoffentlich versemmeln es die Verkehrspolitiker nicht wieder.

          1. Zu CH:

            Stimmt, die Schweiz ist ÖV-Land. Sie treffen da schon einmal den Bundespräsidenten oder Chefs von Großbetrieben täglich im Zug auf dem Weg zur Arbeit.

            Die Mentalität ist also einfach eine andere. Und vielleicht weil auch die oberen Schichten der Gesellschaft täglich den ÖV nutzen, achten alle auf eine hohe Qualität bei bezahlbaren Preisen. Die SBB bitten bei mehr als 3 Minuten Verspätung im IC ihre Fahrgäste um Entschuldigung. Das Halbtax-Abo, quasi die Bahncard 50, gilt fast überall und 2,5 Mio. Schweizer haben das Ding. Kostet auch nur etwa 120 € pro Jahr (Bahncard 50: fast 260 €).

            Das Generalabo (GA) bringt freie Fahrt auf fast dem gesamten ÖV-Netz der Schweiz. Selbst viele Bergbahnen sind inklusive. Kostet in der teuersten Variante umgerechnet 245 € pro Monat. Im SH-Landestarif ist das schon der Preis für die Strecke Hamburg-Kiel.

            Natürlich zahlt Vater Staat im Endeffekt in der Schweiz deutlich mehr. Das betrifft vor allem die nötigen Investitionen. Die Schweizer haben seit 30 Jahren ein systemorientiertes ÖV-Ausbaukonzept, das Milliarden kostet. Schauen Sie mal bei Interesse zu den Hintergründen hier:

            http://de.wikipedia.org/wiki/Bahn_2000

            Jedenfalls ist das Herumgewurschtel in Deutschland und besonders in und um Hamburg ein einziges Trauerspiel dagegen. Natürlich kommt dann auch nichts Gescheites bei raus. Dass H-U leere Busse bei gleichzeitig vollen Straßen hat, dass die AKN einen dreistelligen Millionenbetrag ausgab und ihren Marktanteil trotzdem nicht ausbauen kann, dass sie mit Zügen aus den 1970ern bis ins zugige Eidelstedt herumkurvt, ist ja nicht Naturgesetz, sondern Ergebnis absolut mangelhafter Politik.

            An eine S-Bahn nach Kaltenkirchen glaube ich deshalb auch erst, wenn der erste Zug aus eigener Kraft in Kaltenkirchen einrollt. 🙂

            1. Wenn man dann aber mal das deutsche und das schweizer Gesundheitssystem vergleicht, dann wird klar: nicht alles ist überall woanders besser sondern immer nur einzelne Dinge. Da ich Gesundheit höher als Mobilität bewerten würde, gefällt mir persönlich das deutsche Modell besser. 😉

              1. Und 42-Stunden-Woche und kaum Kündigungsschutz. Cool die Steuertransparenz: Bundessteuer einheitlich, aber eine Wohnung sucht man nicht nur nach Miethöhe, sondern auch nach Kantonal- und Kommunalsteuer. Jede Verwaltungsebene steht für Ihre eigene Steuer gerade, statt alles in einem Umverteilungsbrei zu verbuddeln.

  2. Der hohe Fahrpreis muss was mit dem Breitengrad zu tun haben. In London auch teuer.
    Aber Madrid, Venedig, Rom, Istanbul usw. – da fährt man für einen Bruchteil des hiesigen Preises.
    Ach, ich vergaß – die haben deshalb ja marode Staatshaushalte 🙂

  3. Es lebe die Politik ! Erhöähte Fahrpreise sind garantiert bei sinkenden Spritpreisen kein Anreiz vom Auto auf die Bahn umzusteigen. Wenn der Ausbau der A 7 beginnt werden die Fahrpreise bestimmt nochmals erhöht – frei nach dem Motto: es gibt viel zu tun – mehr Geld täglich zählen und ab damit in den Staatssäckel – die kleinen Leute und sozialschwachen noch mehr schöpfen und einsacken für die Gehälter der Bosse..

  4. Hallo?
    Die AKN hat keinen Einfluß auf die Fahrpreise. Die bestimmt der HVV. Der stellt einen Antrag auf Fahrpreiserhöhung, der von der Politik genehmigt wird oder nicht.
    Auch bei der Anzahl der Züge kann die AKN nicht selbst entscheiden. Jeder Zug der fährt oder fahren soll muß von der Politik genehmigt werden.
    Also vor dem Verfassen solcher Artikel mal etwas besser nachforschen.

    1. Ja, auch hallo!
      Von welcher Politik ist die Rede? Von der Schleswig-Holsteinischen, Hamburgischen oder Henstedt-Ulzburgischen Politik?
      Warum ich das frage? Nun, ich will eigentlich nur wissen, über wen genau ich mich aufregen darf.

      1. SPNV ist Ländersache. Sowohl Hamburg als auch Schleswig-Holstein verfolgen seit geraumer Zeit die Strategie, nach und nach größere Anteile der ÖV-Kosten durch die Fahrgäste zahlen zu lassen.

        Seit 2006 ist auch daher die Einzelfahrt aus Henstedt-Ulzburg nach Hamburg um etwa 29,9 % teurer gemacht worden (Preisstand Januar 2015) – 5,00 € statt 3,85 €. Nach Kiel (SH-Landestarif) kostet es 2015 etwa 32,2 % mehr als 9 Jahre zuvor, statt einst 11,95 € fordert der SH-Tarif dann 15,80 €.

  5. Die AKN verkündet ja immer, man habe in der Rush-Hour schon das gesamte rollende Material im Einsatz, da kann also bis zur Lieferung der neuen Züge nichts kommen.
    Höchstens die zeitweise A2-Verlängerung bis KaKi, die zw. KaKi und Henstedt-Ulzburg zu einem 10-Minuten-Takt führt (soweit es egal ist, welche Strecke, U1 oder S3/21, man nutzt). Aber da entspannt sich die Auslastungs-Situation ja schon… wäre natürlich sehr kommod, über längere Phasen 10-minütig nach HH zu kommen. Und vor allem Abends auch zurück. Aber wenn die dadurch nicht mehr Tickets verkaufen, werden sie das kaum machen. Mal schauen, was der Bau-Stau 2015 so bewirkt…

    Hoffentlich fährt der Bus 293 mal wieder so, dass man damit von und zur AKN kommt, und zwar noch IN den Zug, statt nur die Rücklichter zu sehen. Obwohl es zuletzt ein paar mal geklappt hatte, evtl. haben sie auch schon was im Stillen verbessert.

    1. „Hoffentlich fährt der Bus 293 mal wieder so, dass man damit von und zur AKN kommt, und zwar noch IN den Zug, statt nur die Rücklichter zu sehen.“

      Ich habe Ihnen mal die Änderungen im Busnetz H-U zusammengeschrieben:

      – nichts –

  6. Während des Winterfahrplans wird doch auf der A7 zwischen Kaki und HH gar nicht gebaut? Fahrpreiserhöhungen sind wohl der Konjunktur geschuldet, außerdem haben die Lokführer doch auch erst gestreikt, wo sollte das Geld denn her kommen, wenn nicht vom Fahrgast? Und Benzin(höchst)preise aus dem März mit Benzin(niedrigst)preisen aus dem Dezember zu vergleichen, ist ja wohl völliges Äpfel mit Birnen.

    1. „Während des Winterfahrplans wird doch auf der A7 zwischen Kaki und HH gar nicht gebaut?“

      Der Fahrplan gilt bis Dezember 2015.

      „Fahrpreiserhöhungen sind wohl der Konjunktur geschuldet“

      Nur werden sie auch nicht geringer, ist die Wirtschaft mal wieder in der Flaute 🙂

      Nein, Hintergrund ist einfach der Wunsch der beteiligten Länder, durch höhere Fahrpreise Zuschüsse zu sparen.

        1. Es gibt auch heute natürlich die Möglichkeit, unterjährig etwas am Fahrplan zu ändern und so auch mitunter einen „kleinen“ Fahrplanwechsel, bei dem zum Beispiel Verstärkerfahrten geändert werden.

          Kommuniziert wird der Fahrplan aber als Jahresfahrplan, der folglich bis Dezember 2015 weitgehend unverändert bleibt.

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