Protest gegen Kinderärzte-Mangel in Henstedt-Ulzburg

Aktivistin Sandy Leberecht und der Bürgermeister mit 1.200 Unterschriften
Aktivistin Sandy Leberecht und der Bürgermeister mit 1.200 Unterschriften

Geballter Protest gegen zuwenig Kinderärzte in der Großgemeinde. Auch der Bürgermeister macht mit, will eigenhändig Protestunterschriften bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KVSH) abgeben. Er werde zusammen mit Sandy Leberecht zur KVSH fahren um die Unterschriften-Petition dort abzugeben, kündige Bauer in der vergangenen Woche an.

Hintergrund der Aktion: Zur Zeit gibt es nur eine Kinderärztin, die Kassenpatienten behandelt und die – aufgrund des großen Andrangs – einen Aufnahmestopp für neue Patienten hat. Viele Eltern müssen ihre kranken Kinder deswegen nach Kaki, Quickborn oder Norderstedt kutschieren.

Für Sandy Leberecht, Mutter von zwei Kindern, ein unhaltbarer Zustand. Bis zur Schließung der Zweigstelle der Kinderärzte Allroggen und Benzing in der Maurepasstraße war sie mit ihren Kindern dort in Behandlung. Seit Ende letzten Jahres ist diese Zweigstelle bis auf weiteres geschlossen, eine Nachfolgerin oder Nachfolger bisher nicht gefunden. „Seitdem wurde wöchentlich in den Facebook-Gruppen von Henstedt-Ulzburg gefragt, wo ein Kinderarzt zu finden ist“, sagt Sandy Leberecht, „an einem Sonntag habe ich dann beschlossen, selbst aktiv zu werden und eine Petition zu starten. Am Montag darauf hatten wir schon 400 Unterschriften.“

Mittlerweile sind über 1.200 Unterschriften zusammengekommen, die nun an die sture Krankenkassen-Behörde übergeben werden sollen. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte die Gemeinde die KVSH schriftlich auf den Kinderärztemangel hingewiesen.

cm

15. Mai 2016

9 thoughts on "Protest gegen Kinderärzte-Mangel in Henstedt-Ulzburg"

  1. Im Internet hierzu gefunden:

    Sicherstellung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum.
    Neue Möglichkeiten für Kommunen.

    Findet auch der letzte Arzt am Ort keinen Nachfolger, droht jeder Kommune der ärztliche Notstand. Weite Wege in die nächste Stadt sind die Folge. Doch wie kann man das verhindern?

    Z. B. durch ein „Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)“.

    Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) sieht vor, dass auch Kommunen MVZ-Träger sein können. |

    Kommunen wird die Gründung eines MVZ nicht nur in der Rechtsform des privaten Rechts, sondern auch in einer öffentlich-rechtlichen Rechtsform des Eigenbetriebs oder des Regiebetriebs ermöglicht. Ferner gilt für Kommunen das Zustimmungserfordernis der KVen bei der Gründung von MVZ nicht mehr. Schließlich werden die möglichen Sicherheitsleistungen auch auf solche nach § 232 BGB erweitert.

  2. Eine Petition, ja, das ist gut. Aber in diesem Land entscheidet nicht der Bürgermeister und auch nicht die Kassenärztliche Vereinigung, wo sich (Kinder-)Ärzte niederlassen. Das entscheiden die Ärzte doch wohl immer noch selbst, oder nicht?

    1. Die KV hat aber irgendwie auf der Zulassung einer Niederlassung durch einen Arzt den Daumen drauf. Und könnte Ärzten, die in „vollen“ Orten womöglich ein Nein kassieren, auf H-U verweisen. Evtl. könnte die Gemeinde das ja auch fördern, indem sie Immobilien/Bauplätze aufzeigt, wo man eine Einheit aus Praxis und Wohnen (also Praxis im Wohngebiet) durchwinken würde. Dann kann der woanders nicht zugelassene Arzt seine Ansiedlung in H-U zumindest in einem Aufwasch gestalten, wenn nicht schon hier ortsansässig. Und eine Kinderarztpraxis in Wohngebieten hilft sicherlich, wo auch viele Kids leben.

      1. Hallo Herr Schneider, eine ärztliche Praxis in HU-Wohngebieten war und ist bereits üblich und gegeben. Mein Hausarzt und Zahnarzt befinden sich auf dem Rhen in Reihenwohnhäusern. Für Schwerbehinderte ist das allerdings ein Problem beim Treppensteigen. Wesentlich angenehmer in dieser Hinsicht sind die Facharztpraxen im Heroldcenter, Norderstedt-Mitte und am Langenhorn-Markt, die behindertengerecht mit Fahrstühlen zu erreichen sind.

    2. Ja, so ist es, Herr Warnecke, darüber hinaus haben wir in D. einen erheblichen Ärztemangel. Das gilt insbesondere für Kinderärzte und Allgemeinmediziner, die im unteren Einkommensbereich der Ärzte anzutreffen und daher beruflich unattraktiv sind. Für eine Beratung erhält der Allgemeinmediziner von der Ersatzkasse €4,66. Wenn er nicht etliche Privatpatienten hat, von denen er das Doppelte bis Dreifache berechnen kann, rechnet sich seine Praxis nicht. Um ein besseres Einkommen zu erzielen, bieten manche Ärzte dann die sogenannten „IGEL“-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen) an, die die Ersatzkassen aber nicht tragen. Die ärztlichen Berufsverbände müssten unter sich bei der Verteilung der Kassenleistungen ein Einvernehmen erzielen, dass die Allgemeinmediziner und Kinderärzte zu Lasten der Fachärzte wie Röntgenologen, Urologen etc. ein höheres Honorar erhalten, um die Attraktivität für die Niederlassung junger Ärzte zu erhöhen. Soweit die Theorie, in der Praxis wird das wohl eher nicht funktionieren

  3. Wirft das nicht die Frage auf, warum Quickborn, Kaki und Norderstedt ausreichend Kinderärzte haben, aber niemand nach HU möchte? Das muß doch einen Grund haben?! Ich kenne die Antwort nicht, aber auf keinen Fall kann es an zu wenigen Patienten liegen!

  4. Das haben wir auch schon erlebt. Und das als Gemeinde, die Familien mit Kindern anziehen will… Im Gebäude neben Elektro-30 hängt ein zu vermieten-Schild im Fenster, an den Räumlichkeiten sollte es nicht scheitern müssen.

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