Fußballfrauen liefern beste Saisonleistung ab – trotzdem reicht es nicht

Gäste Trainer Christian Franz-Pohlmann sprach nach dem Spiel von einer schweren Aufgabe für sein Team. Damit hatte er Recht, allerdings auch mit dem Fazit, dass der Sieg für seine Elf am Ende durchaus verdient war. Dafür mussten die Gäste aus Gütersloh aber über 90 Minuten alles abrufen, um gegen den Underdog vom SV Henstedt-Ulzburg als Sieger vom Platz zu gehen.

Die Heimelf um Coach Tobias Homp erwischte einen tollen Tag. Vielleicht war es sogar das beste Ligaspiel bis dato, trotz der 2:5 Niederlage! Das gesamte Spiel bot den 120 Zuschauern 90 Minuten guten Bundesliga-Sport. Der Titelaspirant war von Beginn an daran interessiert, das Heft in die Hand zu nehmen. Dies gelang zumindest in den ersten 20 Minuten, wo eine leichte Feldüberlegenheit auszumachen war. In der 18.Minute hätten die Gäste dann auch in Führung gehen können, jedoch landete der Torschuss am Henstedter
Pfosten. Nach dieser ersten Großchance zeigte dann aber die Heimelf, dass sie im Offensivspiel brandgefährlich ist. Zunächst scheiterte Alina Witt nach einem Konter noch freistehend vor der Gäste-Torfrau (20.). In der 35. Minute ließ sie, nach einer Homp Hereingabe, der Torfrau die den Ball nicht festhalten konnte, keine Chance und erzielte den viel umjubelten Führungstreffer zum 1:0. In dieser Phase bestimmte Henstedt nun das Spiel. Aus einer gut gestaffelten Abwehr in der sich das Kollektiv durch gutes verschieben auszeichnetet, wurden weitere gefährliche Angriffe gestartet. So hätte Torfabrik Witt noch vor der Pause zweimal einnetzen können, ja vielleicht sogar müssen. Doch ihr erster Versuch wurde von der Linie gekratzt, während Witt im zweiten Anlauf einen Lupfer über die Torfrau nur knapp neben das Tor setzte. Insofern war der dünne Halbzeitstand von 1:0 ein wenig ärgerlich, denn die vergebenen Chancen sollten sich noch rächen.

— 2. Halbzeit: Dicht dran, doch dann war Flasche leer —

Während Henstedt unverändert aus der Kabine kam, schöpfte Gütersloh gleich sein komplettes Wechselkontigent aus. Drei Spielerinnen durften in der Kabine bleiben. Und auch am Spielsystem wurde etwas gefeilt. Aus einem 4-4-2 wurde ein 3-5-2, dadurch bekamen die Gäste das Spiel umgehend wieder in den Griff und zeigten nun auch warum sie zu den Titelfavoritinnen zählen. Gute und schnelle Angriffe folgten, präzise Passkombinationen und letztlich ein gutes Pressing zwangen die HU-Frauen weiter in die Defensive. Der Ausgleich lag in der Luft und fiel 10 Minuten nach der Pause durch einen Kopfball von Isabelle Wolf, vorausgegangen war ein Eckball(55.).

Gütersloh Stürmerin Sarah Grünheid legte nach und brachte ihre Farben nach einer tollen Kombination dann verdient mit 2:1 (62.) in Führung. Alles schien sich nun zu Gunsten des Favoriten zu entwickeln. Aber die Henstedt-Deerns blieben mit etwas Glück aber auch mit einer tollen Moral im Spiel. Quasi aus dem Nichts dann der Ausgleich. Kristin Engel bediente Alina Witt mit einem langen Ball über die Abwehr der Gäste, völlig freistehend verwandelte Witt den Ball zum 2:2 (77.) Ausgleich. Der Schäferkampsweg bebte und eine kleine Sensation lag nun in der Luft.

Vielleicht war der Zeitpunkt zweier nun folgenden Auswechselungen die Tobias Homp tätigte etwas unglücklich, jedenfalls nutzen die Gäste eine kurze Unaufmerksamkeit in der Viererkette zum postwendenden erneuten 2:3 Führungstreffer (80.). Dieser Rückschlag war leider auch die Vorentscheidung, denn zusehends gingen der Heimelf die Kräfte verloren. Aus ihrer nun physischen Überlegenheit machten die Gütersloher Frauen eiskalt den Sack zu und erhöhten noch um weitere zwei Treffer (85., 88.) zum Endstand von 2:5 aus Henstedter Sicht. Die souveräne Schiedsrichterin Svenja Pleuß beendete nach 90 Minuten ein tolles Spiel mit vielen Fassetten und einem verdienten Sieger, allerdings um ein Tor zu hoch.

Fazit: Der Sieg der Gäste ist verdient, doch Henstedt darf hoch erhobenen Hauptes den Platz verlassen. Bis dato, trotz Niederlage die beste Saisonleistung. Man hat gesehen, das man taktisch geschickt, auch gegen große Gegner gut mithalten kann. Teilweise trennt das Team nur noch Nuancen von einem Punktgewinn gegen starke Teams wie Gütersloh. Gegenüber dem Spiel in Potsdam eine deutlich Verbesserung in allen Bereichen.

Ingo Merkens

20. Oktober 2010

2 thoughts on "Fußballfrauen liefern beste Saisonleistung ab – trotzdem reicht es nicht"

  1. Das war ein tolles Spiel. Am Ende doch zu hoch ausgefallen für die Leistung.
    So ein Spiel und das Team können gut noch den ein oder anderen Zuschauer gebrauchen.

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