Energiebericht vorgestellt: Passivhaus Lütte School spart Heizkosten, verbraucht aber viel mehr Strom

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Uwe Husfeld, hauptamtlicher Energieberater der Gemeinde, soll nach teuren Stromfressern fahnden

Einen schweren Stand hatte Verwaltungsmitarbeiter Uwe Husfeld, als er den Mitgliedern des Umwelt- und Planungsausschusses in der jüngsten Sitzung den Energiebericht für die gemeindlichen Liegenschaften vorstellte. Das viele Seiten umfassende Werk stellt die Energieverbräuche der Jahre 2012 bis 2015 dar und bewertet sie. Grundsätzlich stehen dabei monatliche Ablesewerte für Wärme beziehungsweise Gas, Strom und Wasser als Berechnungsgrundlage zur Verfügung. Die Ablesungen obliegen den Hausmeistern.

Die Zahl der erfassten Liegenschaften ist inzwischen auf 37 angestiegen. Zusätzlich werden von 47 Unterkünften die Verbrauchswerte registriert. Für die Liegenschaften werden 250 Zählpunkte abgelesen und zusätzlich pro Unterkunft etwa drei Zähler. Insgesamt werden die Werte von 388 Zählwerken erfasst. Darüber hinaus sind die Verbräuche von 21 Lichtsignalanlagen und Verkehrsspiegel vierteljährlich zu erfassen. Die Zähler und Zählwerke verteilen sich in ungleichmäßigen Mengen auf zwei Verwaltungsgebäude, sechs Schulen, zehn Krippen und Kitas, zwei Jugendhäuser, zwei Feuerwachen, das Bürgerhaus, den Baubetriebshof, ein Umkleidegebäude, das Naturbad, ein öffentliches WC, zwei Bahnhofsaufzüge, die Gemeindebücherei, eine Minigolfanlage und zwei Marktplätze.

Husfeld hob in seinem Bericht eine Besonderheit hervor: Die Lütte School weise entgegen allen Erwartungen einen besonders hohen Energieverbrauch auf. Zwar würden durch die besondere Bauweise Heizungskosten eingespart, durch die installierte Technik aber werde viel mehr Strom verbraucht.

Unzufriedenheit mit dem Bericht äußerte für die SPD Gemeindevertreter Hans-Jürgen Saß-Olker: Das Werk beschreibe lediglich den Ist-Zustand. Er vermisse darin Verbesserungsvorschläge. „Das ist etwas zu wenig“, so der Sozialdemokrat. Er erwarte Vorlagen der Verwaltung, um bei der Energieeinsparung voranzukommen. Kritik äußerte auch FDP-Ausschussmitglied Stephan Holowaty: Den Liberalen fehle eine Bewertung der vorgelegten Zahlen. Der Bericht hätte entscheidungsorientierter aufbereitet werden müssen. Die FDP wünsche sich ampelgleiche Bewertungen für die einzelnen Liegenschaften.

Beistand bekam Energieberater Husfeld lediglich von der CDU. Deren Gemeindevertreter Jens Müller: „Wir sind froh, dass wir dieses Papier haben.“ Auf die Frage des Ausschussvorsitzenden Horst Ostwald (SPD), ob er seinem Bericht noch etwas hinzufügen wolle, antwortete Husfeld lediglich: „Nö.“

Jörg Schlömann

4. Juli 2016

3 thoughts on "Energiebericht vorgestellt: Passivhaus Lütte School spart Heizkosten, verbraucht aber viel mehr Strom"

  1. Im Artikel wird die Ausschussvorlage doch etwas verkürzt wiedergegeben. Eine Bewertung mit witterungsbereinigten Ist-, Ziel- und Kennzahlen ist in dem Bericht enthalten. Ebenfalls einige Verbesserungsvorschläge, die allerdings noch erweiterungsfähig wären. Ich erinnere aber in diesem Zusammenhang an die energetischen Sanierungsvorschläge für das Alstergymnasium, die insbesondere von der FDP mit dem sinnentleerten („das amortisiert sich in 300 Jahren!“) Abrissvorschlag der Schule abgeblockt wurden. Ampelgleiche Bewertungen wie die FDP sie fordert, wären für Gemeindevertreter, die eine einfache, plakative Darstellung für einen schnellen Überblick wünschen wohl sinnvoll. Allerdings sind die Kennzahlen aussagekräftiger.
    Was ich vermisse, sind Aussagen über die Zusammenarbeit mit Schulen, Kindergärten, Sporvereinen etc. über eine Veränderung des Nutzerverhaltens zwecks Energieeinsparungen. Hier liegt ein wesentliches Energiesparpotential, über das in HU wenig oder gar nicht gesprochen wird. Norderstedt ist auch in diesem Bereich seit vielen Jahren ein sehr gutes Beispiel mit dem „fifty-fifty-Programm“. Andere Städte gewähren den Gebäudenutzern sogar 100% der durch verändertes Verhalten eingesparten Energiekosten für Beschaffungen, die sinnvoll für Bildung etc. eingesetzt werden können.

  2. Wenn der Analyst das große Officepaket nutzt, ist das hier schon inkl.: https://powerbi.microsoft.com/de-de/?WT.srch=1&WT.mc_ID=SEM_cChicltP
    oder hier
    https://m.youtube.com/watch?v=4E_M4e74_CM
    ——–
    Oder inhaltlich kann man hier lesen, wie man solche Ampelsichten aufbereitet:
    https://web.archive.org/web/20140202115133/http://www.theclci.com/resources/5HBR-PuttingTheBalancedScorecard.pdf
    oder
    https://books.google.de/books/about/Balanced_Scorecard_3_Auflage.html?id=W1CX8IRZZ5UC&redir_esc=y
    ——–
    Das Konzept steht und fällt aber mit der Definition vom Ziel und der akkuraten Messung. Wenn der Herr Husfeld sowas aufbauen würde und dann die unzufriedenen Herren fragen würde: Wie sollen die Zielsetzungen definiert (quantifiziert!) werden, gegen die das Ampelsystem die lfd. Messungen dreifarbig abbildet, dann sollten sie auch ihre Hausaufgaben gemacht haben und das ins Heft diktieren können. Wenn ich nicht weiß, wie schnell ich gerade fahren darf, habe ich auch keine Ahnung, 60 Km/h langsam/gut/zu schnell sind.

  3. Ich werde aus dem Bericht nicht ganz schlau: Oben steht, dass Herr Husfeld die Energieverbräuche dargestellt und bewertet hat, unten wird erwähnt, dass Herr Holowaty eine Bewertung vermisst? Darstellung eines Ist-Zustands und Bewertung sind zwei verschiedene Dinge.
    Wenigstens ist Herr Müller froh, das Papier zu haben. So wie es sich hier liest, kann man aus dem Papier heraus lediglich erkennen, wofür man sein Geld ausgegeben hat. Darüber kann man froh sein.
    Noch froher würde man dann, wenn man daraus auch seine Lehren ziehen würde. Wir als Familie jedenfalls diskutieren über jede Energieabrechnung: Welchen Einfluss hatte die Witterung, welchen neu angeschaffte Geräte, wie hat sich geändertes Alltagsverhalten ausgewirkt etc.? Danach legen wir fest, wofür wir gerne Energie verbrauchen, und wofür nicht. Um dann festzulegen, wie wir weitermachen. Letztes Jahr wurde u. a. der 13 Jahre alte Geschirrspüler getauscht, dieses Jahr wurden etliche Beleuchtungen auf LED umgestellt.
    Ohne diese Festlegungen wüssten wir lediglich, wie sich unsere Kosten aufgeteilt hätten. Das ist doch nicht genug, ich bitte Sie!

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