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Täglich Pfeifkonzerte in der Amselstraße | Henstedt-Ulzburger
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Täglich Pfeifkonzerte in der Amselstraße

Der neue AKN-Zug in blau-weiß-rot.

Der neue AKN-Zug in blau-weiß-rot.

Quietschvergnügt sind die Anwohner der Amselstraße in Ulzburg Süd schon seit längerem micht mehr. Ihr Unmut ist auf den Einsatz der neuen LINT-Triebwagen zurückzuführen, die von der AKN-Eisenbahngesellschaft seit Oktober auf der Linie A1 zwischen Hamburg-Eidelstedt und Kaltenkirchen/Neumünster eingesetzt werden. Die Züge, die den Passagieren fraglos mehr Komfort bieten und bis Mitte Dezember – Fahrplanwechsel – noch im „Vorlaufbetrieb“ verkehren, gehen den Anliegern der Amselstraße und wohl auch der übrigen Bahnhöfe an der Strecke ganz gehörig auf die Nerven.

Der Grund: Beim Anbremsen, wenn der Zug in den Bahnhof einfährt, ertönt ein Ohren betäubendes Quietschen, das zu einem Mark erschütternden Heulen wird, bevor die Triebwagen endgültig zum Halten kommen. Dieses Pfeifkonzert müssen die Hausbesitzer in Bahnhofnähe Tag für Tag und natürlich auch nachts mehrfach über sich ergehen lassen.

Die Henstedt-Ulzburger Nachrichten konfrontierten die AKN mit diesem Ärgernis. Deren Pressesprecherin Christiane Lage-Kress antwortete umgehend per e-mail: „Auch für uns ist das Geräusch der LINT beim Bremsvorgang nicht zufriedenstellend, und wir können die Unzufriedenheit der Anwohner nachvollziehen. Wir gehen zurzeit davon aus, dass sich die Geräusche beim Bremsvorgang reduzieren, sobald die LINT im Regelbetrieb und somit im Dauereinsatz sind. Sollte das nicht der Fall sein, werden wir Möglichkeiten prüfen, ob und wie sich die Geräusche reduzieren lassen. Ganz werden Sie sich jedoch auch in Zukunft leider nicht vermeiden lassen.“
Keine wirklich befriedigende Auskunft für die Anlieger angesichts einer Investitionssumme von rund 60 Millionen Euro für 14 LINT-Züge. Daran ändert auch die weitere Erklärung der AKN nichts: „Das Geräusch entsteht durch die so genannte Reibpaarung (Bremsscheibe und Bremsbelag). Diese Geräusche sagen – und das ist uns besonders wichtig – nichts über die Sicherheit aus: Bremsscheibe und Bremsbelag entsprechen allen Vorgaben und sind für das Fahrzeug zugelassen. Das Fahrzeug ist so abgenommen.“

Bisher sind zwölf der neuen Züge bei der Eisenbahngesellschaft in Kaltenkirchen eingetroffen. Bis zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember werden sie nach und nach probeweise im „Vorlaufbetrieb“ eingesetzt. Erst dann wird das volle Pfeifkonzert einsetzen und die Ohren der Anlieger strapazieren. Die neuen Züge ersetzen nämlich auf der Strecke A1 die 15 ältesten Rumpler der AKN vom Typ VTE aus den Jahren 1976/77. Die 16 Triebwagen der Serie VTA aus dem Jahr 1993 werden ab Dezember nur noch auf den Strecken A2 zwischen Norderstedt und Ulzburg Süd sowie A3 zwischen Ulzburg Süd und Elsmhorn eingesetzt,

Jörg Schlömann
9. November 2015

31 Kommentare zu "Täglich Pfeifkonzerte in der Amselstraße"

  1. Stefan Schneider sagt:

    Stimmt absolut, klingt wie alte Regionalbahn-Gurkenwaggons der DB. Die AKN hat doch schon solche LINTe ab NMS im Einsatz. Entweder sie müssten sich bei ihrem Nordableger nur mal abgucken, wie man das leise bekommt, oder dort quietschen sie genauso und man hat „hörenden Ohres“ eine solche Belästigung billigend in Kauf genommen. Dann ist die S-Bahn wohl die große Hoffnung…

    • H. Sazmann sagt:

      „Dann ist die S-Bahn wohl die große Hoffnung…“

      Besser nicht, deren neuere Triebwagen (Baureihe 474) haben unter Eisenbahnfans sogar den Spitznamen „Quietschie“ 🙂

      • Stefan Schneider sagt:

        „Wir“ können keine Grossbauprojekte mehr ohne Fiasko, der Volkswagen entpuppt sich als Fakewagen… und sind wir auch beim Bahnbau nicht fähig, leise Bremsen einzubauen? Ich erinnere mich nicht, das die neuen Nordbahnzüge bei Tornesch auch so quietschten… warum hat man dann nicht die genommen?!?

    • „Dann ist die S-Bahn wohl die große Hoffnung…“
      Ich habe da so meine Zweifel, dass der HVV sich im geringsten darum schert, was „irgendwelche Anwohner von weit Außerhalb“ wollen, wenn die schweren S-Bahn-Züge mal irgendwo quitschen oder klappern.

      • Stefan Schneider sagt:

        Außer die Anwohner der Elektrifizierungsstrecke greifen das auf und bringen das in die Bürgerbeteiligung mit ein, welche verhindern soll, dass Verzögerungsklagen zwar irgendwann scheitern, aber alles eben verzögern. Bis zum Planfeststellungsbeschluß dürften die da schon Interesse für haben (vorgaukeln). Man darf sich nur nicht auf mündliche Absprachen einlassen. Was nicht geschrieben steht, das gibt’s auch nicht.
        Wenn zwar der Bahnstrom käme, aber Züge wie bei der Nordbahn zum Einsatz kämen und meinetwegen auch gern von der AKN betrieben würden, wäre das sicherlich schon mal ein Mix, der viele Fronten beruhigen könnte. Im HA hatte doch ein Elektrifizierungsexperte seinen Rat angeboten, wie man in dem AKN-2-SBahn-Szenario auch mit seitlichen Stromschienen klarkommen könnte, binden Sie den doch auf Ihrer Seite ein. Vielleicht könnte unsere SBahn auch eine verlängerte S32 sein? Dann gäbe es keine Kollision mit dem Altsystem S21.
        Noch kann ja gestaltet werden…

        • Leider wollen die Verantwortlichen nicht mehr gestalten. Alle Vorschläge, wie Stromschiene statt Oberleitung, S-Bahn nur bis Quickborn, Eingleisigkeit auf einem etwa 700 Meter langen Teilstück werden kategorisch abgelehnt. Das ganze Projekt wurde jahrelang hinter verschlossenen Türen soweit vorangetrieben, dass nun (auch aufgrund des knappen Nutzen-Kosten-Faktors) kein Raum mehr für Veränderungen ist.
          Beinahe gewinnt man den Eindruck, dass die Politik schreit: „Bitte klagt doch liebe Anwohner, damit wir wen haben, dem wir die Schuld in die Schuhe schieben können und wir unser Gesicht wahren!“

          • H. Sazmann sagt:

            Dass die Politik nicht will, lässt sich bei den meisten der Vorschläge aber auch gut nachvollziehen. Was soll ein Brechpunkt in Quickborn? Was soll eine Stromschiene, wenn klar ist, dass die niemals genehmigt würde? Damit zu argumentieren, dass es das andernorts aus Bestandsschutzgründen noch gibt, finde ich reichlich albern. Das ist, als würde VW seine Stinke-Autos unnachgebessert in Betrieb lassen, weil Oldtimer ja auch keien besseren Abgaswerte haben und trotzdem noch fahren dürfen!

            Ausgenommen sicher die Eingleisigkeit. Da könnte man am Fahrplankonzept herumdoktern, um die Zugkreuzung aus Ellerau zu kriegen.

            Das Konzept hat seine methodischen Schwächen eher an anderer Stelle und da muss noch was kommen.

            • „Das Konzept hat seine methodischen Schwächen eher an anderer Stelle […]“

              Wo denken Sie, sind diese Schwächen?

              • H. Sazmann sagt:

                Schauen Sie sich mal an, was der Fahrplanentwurf aus der Nutzen-/Kostenuntersuchung von Intraplan für den Knoten Ulzburg Süd und die Umsteigerelation S21-A2-U1 bedeutet. Davon ausgegangen, dass die U-Bahn ihren Fahrplan und Takt nicht ändern wird und auf der A2 keine Fahrzeitstraffung möglich ist.

      • H. Sazmann sagt:

        Seien Sie doch nicht so pessimistsich.

        Die S-Bahn-Züge sind übrigens leichter als die AKN-Züge, sowohl die ollen VTA als, längenbereinigt, die neuen LINT.

        • Längenbereinigt bin ich auch nicht übergewichtig. 🙂
          Tatsächlichen sind die neuen S-Bahn ET490 mit ca. 130 Tonnen jedoch deutlich schwerer als die neuen AKN-Züge Lint 54 mit etwa 95 Tonnen.
          Grund ist, dass die S-Bahnen eine Doppeltraktion benötigen. Also für die Fahrt mittels Schiene (Gleichstrom) und Oberleitung (Wechselstrom) ausgerüstet sein müssen. Zudem fahren die Züge, auch wenn dies von allen Seiten als Unsinn abgestempelt wird, IMMER als Vollzug. Von Kaltenkirchen bis Aumühle, rund um die Uhr. Grund: Ein an-/abkoppeln, würde Zeit kosten und die sagenhaften 3 Minuten Fahrtzeitgewinn wären teilweise futsch.
          Die Folge der schweren S-Bahn-Züge ist eine übrigens eine schlechtere CO2-Bilanz als bei den Lints aufgrund des extrem hohen Strombedarfs beim Anfahren der S-Bahnen (Quelle: N/K-Analyse).

          • H. Sazmann sagt:

            “ Tatsächlichen sind die neuen S-Bahn ET490 mit ca. 130 Tonnen jedoch deutlich schwerer als die neuen AKN-Züge Lint 54 mit etwa 95 Tonnen.“

            Nach Kaltenkirchen sollen die ET 474.3 fahren – mit 106 t Leermasse bei 66 m Länge und 208 SItzplätzen. Zum Vergleich die AKN VTA von 1993: 55,4 t Leermasse, 32,6 m lang, dabei 96 Sitzplätze. Die S-Bahn-Züge sind klar im Vorteil.

            In jedem Fall ist mir aber nicht ganz klar, was das Gewicht aussagen soll. Die Geräuschentwicklung? Dürfte mehr mit den Bremsen zu tun haben. Der Energieverbrauch? E-Züge können schon lange Strom beim Bremsen ins Netz zurückspeisen, wie eine Art Super-Hybrid. Damit dürfte selbst bei der höheren Masse des ET 490 der Energieverbrauch unter dem Strich niedriger sein als bei den Dieselkarren – man spricht von einer Rückspeise-Quote von etwa 10 bis 30 Prozent der ursprünglich aufgenommenen Energie zum Fahren.

            „Zudem fahren die Züge, auch wenn dies von allen Seiten als Unsinn abgestempelt wird, IMMER als Vollzug. Von Kaltenkirchen bis Aumühle, rund um die Uhr. Grund: Ein an-/abkoppeln, würde Zeit kosten und die sagenhaften 3 Minuten Fahrtzeitgewinn wären teilweise futsch.“

            Wo haben Sie das her? Die heutige S21 wird ab 20 Uhr werktags selbst in der Hamburger Innenstadt auf Kurzzüge reduziert. Im Nachtverkehr („rund um die Uhr“) am Wochenende ist nur die S3 als Vollzug unterwegs, S21 und selbst die S1 werden auf gesametr Länge als Kurzzüge geführt.

            Was stimmt ist, dass es kein Stärken und Schwächen in Eidelstedt geben soll. Um das zu beurteilen, müsste man aber die genauen Prognosen der Nachfrage kennen. Übrigens: bei der Hamburger U-Bahn wird seit 1994 nicht mehr gestärkt und geschwächt – nach Norderstedt Mitte fahren also fast immer Vollzüge. Jetzt um diese Uhrzeit haben Sie damit eine gute Chance, mal 1-2 Stationen komplett allein im Zug nach Hamburg zu sitzen. Betrieblich ist Stärken und Schwächen immer eine kompliziertere Nummer.
            Davon abgesehen wäre ich mir persönlich nicht sooo sicher, dass das Schwächen entlang der Strecke nie kommt. Niemand bei Trost sieht ernsthaft die schlgenden Vorteile eine durchgehenden S-Bahn in 3 Minuten Fahrzeitverkürzung.

            “ Die Folge der schweren S-Bahn-Züge ist eine übrigens eine schlechtere CO2-Bilanz als bei den Lints aufgrund des extrem hohen Strombedarfs beim Anfahren der S-Bahnen (Quelle: N/K-Analyse).“

            Habe ich gerade nicht da, ist aber real Unsunn. DIe S-Bahn fährt mit Ökostrom.

  2. H. Sazmann sagt:

    „Die 16 Triebwagen der Serie VTA aus dem Jahr 1993 werden ab Dezember nur noch auf den Strecken A2 zwischen Norderstedt und Ulzburg Süd sowie A3 zwischen Ulzburg Süd und Elsmhorn eingesetzt,“

    Nicht ganz, mindestens 2 Umläufe auf der A1 werden weiter planmäßig mit den VTA gefahren. Die neuen LINT dürfen bekanntlich nicht zum Hauptbahnhof, die morgendlichen Durchfahrer sollen aber bestehen bleiben. Nach der Rückkehr aus Hamburg werden die Wagen nicht gegen LINT getauscht, sondern fahren bis zum Abend weiter ihre Runden auf der A1.

    • F. Six sagt:

      Rein interessehalber: Warum dürfen die nicht zum Hbf durchfahren?

      • H. Sazmann sagt:

        Die Hamburger S-Bahn hat ein eingeschränktes Lichtraumprofil. Umgangssprchlich heißt das, wieviel Platz neben dem Gleis links und rechts in den Kurven und an den Bahnsteigen fürs Ausschwenken der Wagenkästen ist und wie hoch die Züge sein können.

        Die LINT passen nicht in dieses eingeschränkte Lichtraumprofill, sie sind etwa einen halben Meter zu hoch. Kurz vor der Holstenstraße soll spätestens Schluss sein, da führt das Gleis Richtung Hauptbahnhof durch ein Überwerfungsbauwerk, das beim LINT zu einem Dachschaden führen würde.

        Daneben sind Hauptbahnhof Gleis 1/2 (Bahnsteig für Fahrten Richtung Dammtor) bekanntlich im Tunnel. Hier sind nach meinem Kenntnisstand weiterhin keine Dieselfahrten zugelassen.

        • Matthias Frenzel sagt:

          Die AKN hat wegen Hmb Hbf auch einige VTE mit seitlichem Stromabnehmer für Stromschiene ausgerüstet. Das hat funktioniert, weil das diesel-elektrische Triebzüge sind.
          Die neuen LINT sind jedoch diesel-hydraulische Triebzüge mit mechanischer Kraftübertragung. Somit wäre in Hmb Hbf nur eine Ein- und Ausfahrt über Gleis 3/4 möglich, wenn da nicht das Lichtraumprofil wäre.

          • Matthias Frenzel sagt:

            Es sollte VTA heißen, die uralten VTE fallen ja eh bald auseinander.

  3. Rolf Michelsen sagt:

    Hoch lebe de technische Fortschritt dank qualifizierter und hochbegabter Konstrukteure – mit Vollkdampf zurück ins technische Mittelalter zur Zeit der Dampflokomotiven mit Lärmkulisse.
    Umweltschutz – nein danke sagt die AKN -wer meckert kann ja umziehen auf das Land ohne AKN-Anschluß. Wir hier brauchen doch noch Wohnraum für Flüchtlinge, denn die meckern wenigstens nicht ?

    • H. Sazmann sagt:

      Mal ehrlich: Als wären die alten VT der AKN besonders leise und schadstoffarm gewesen. Unter dem Strich ist der LINT auch bei der Geräuschkulisse ein Fortschritt.

  4. R. Finsterbusch sagt:

    Fürwahr ein unangenehmes Quietsch-Geräusch. Mag für manchen auch Ohren betäubend sein, je nach Empfindlichkeit. Die Anwohner hatten sich auch vor längerer Zeit schon über den Dauer-Lärm der Zuege auf dem Abstellgleis beschwert. Eine Lärmschutzwand wurde meines Wissens aber abgelehnt. Ebenso eine Toilettenanlage, trotz Werktags mehr als 8.000 Ein- und Umsteiger! Da wird die Notdurft dann hinter den Containern, am Parkplatz, an den Grundstücks-Hecken oder Auffahrten verrichtet. Der zahlende Fahrgast darf doch etwas mehr Service erwarten. Wurde der Bahnhof Ulzburg-Sued nicht mal als vorbildlich bezeichnet?
    Bitte jetzt aber nicht wieder der Vergleich mit Hamburg, wo auch nicht überall Lärmschutzwände stehen und auch nicht jeder Bahnhof eine Toilette hat. Oder sollte man z. B . auf ein Auto verzichten, wenn der Nachbar auch keines hat?

  5. Volker Westphal sagt:

    Also ein Quietschgeräusch das ohrenbetäubend ist habe ich noch nicht vernommen. Quitschen ja, aber vielleicht habe ich ja auch nur schlechte Ohren.
    Ich würde mich freuen wenn hier auch mal über den permanennten Verkehrslärm von Autos und LKW´s berichtet wird. Das empfinde ich als wesentlich schlimmer da diese Belästigungen permanent stattfinden, Tag und Nacht. Aber anscheinend ist die Vernarrtheit der Deutschen in ihr Auto grenzenlos.
    Auch wäre es schön wenn hier mal darüber berichtet wird, dass die Fußgänger in Henstedt-Ulzburg jetzt ihr grün an den Ampeln in der Hamburger Straße anfordern müssen. Wenn sie dies nicht tun erhalten sie auch bei rot für die Autos kein grün. In meinen Augen eine einzige Frechheit. Alles für die Autos und ihre Fahrer und wer keins hat ist schlecht dran und selber schuld.

    • Stefan Schneider sagt:

      Ähnliches am Durchgang Rathaus/Zwischenbau: Will man Richtung Lindenstraße gehen, hat man die Wahl, einen langen rechten Winkel zu laufen oder aber die normale direkte Richtung beizubehalten und dabei über Rasengittersteine zu laufen. Der Fußweg dient also eigentlich nur den Autofahrern, die hinten parken. Der reine Fußgänger (oft Bahnfahrer) wird nicht bedacht. Nur eine kleine Unbequemlichkeit, aber da nagelneu gebaut, entlarvt das die Halbherzigkeit, mit der man angeblich nichtmotorisierte Verkehrsformen fördern möchte…

    • H. Sazmann sagt:

      Ja, die Bettelampeln. Die 60er haben ihr Zuhause nicht nur architektonisch in Ulzburg gefunden.

      • Oliver Blau sagt:

        Den Sinn der Bettelampeln verstehe ich überhaupt nicht. Man könnte ja meinen, dass dadurch der Verkehrsfluss gefördert werden solle. Das kann nicht stimmen, denn wenn die Fussgängerampeln angefordert werden, muss der Verkehr in jedem Fall anhalten. Schalten sie auf automatisch auf Grün, und kein Fussgänger/Radfahrer passiert die Straße, wird auch kein Verkehrsfluss gestört. Ergo: Was soll das? Es fördert, dass frustrierte Passanten bei Fussgänger-Rot einfach auf die Straße gehen. Wer denkt sich aus welcher Notwendigkeit heraus, so einen Quatsch aus? Es sind Details wie dieses, die kein Vertrauen in die Qualität öffentlicher Verwaltungsarbeit bringen.

        • H. Sazmann sagt:

          Das Ulzburger Programm kenne ich nicht.

          Wichtiger „Vorteil“ einer Bettelampel ist, dass man die Räumzeit der Fußgänger nicht berücksichtigen muss. Räumzeit heißt: Wenn ein Fußgänger über die Straße will, muss gewährleistet sein, dass er bei langsamem Gehen sicher auf der anderen Seite ankommt, selbst wenn er in der letzten Grünsekunde in die Kreuzung kam.

          Während der Räumzeit darf man dem kreuzenden Autoverkehr nicht Grün geben.

          Das heißt: Wenn kein Fußgänger entlang der Hamburger Straße drückt, kann die Grünzeit für den durchgehenden Autoverkehr um einige Sekunden verlängert werden, es passen mehr Autos durch.

          Das ist eine Frage der Prioritätensetzung, die die Gemeinde Henstedt-Ulzburg klar für den Autoverkehr durch ihr Zentrum entschieden hat.

  6. Oliver Blau sagt:

    Wenn man sich nicht auskennt, und dennoch rausbläst: Das verstehe ich jetzt, und erkenne auch den Sinn zur Unterstützung des Verkehrsflusses. Da liegen für die Räumzeit schon einige Sekunden je Ampelschaltung drin, die den Verkehrsfluss ggf. sicherlich verbessern. Und genau genommen macht damit ja der Bedarfsanforderungsknopf erst Sinn. Das es aber auch gefährlich ist, habe ich an der Real-Kreuzung tatsächlich beobachten können. Die Dame (in dem Fall) hätte natürlich auch drücken können.

    • H. Sazmann sagt:

      Wie geschrieben, das ist eine Frage der Prioritätensetzung.

      Eine Bettelampel kann den Gesamtverkehrsfluss – primär auf Autos bezogen – verbessern, weil man die Straßenkapazität effizienter nutzt. Es ist keine pauschale Zeit für querende Fußgänger vorgesehen, die es gar nicht immer gibt. Und diese Zeit setzt man dann ein für Autos, damit mehr durchpassen.

      Auf dem Papier klingt das natürlich gut. In der Praxis haben wir einige sehr negative Auswirkungen:

      – Die Wartezeit für Fußgänger verlängert sich durch Bettelampeln oft, weil die „Deadline“ für die Berücksichtigung im nächsten Umlauf gern sehr früh gelegt wird.

      Es kann sein, dass man als Fußgänger drückt, während die Autofahrer gerade rot haben und beim alten Programm für die Fußgänger die letzten Grünsekunden anbrächen.

      Das neue Schaltungsprogramm will/soll aber nicht mehr für Fußgänger freigeben, weil die Grünphase extrem kurz geriete. Es darf laut Richtlinien keine 4-Sekunden-Grünphasen für Fußgänger geben. Man könnte jetzt natürlich verlängern, aber das widerspräche dem Grundziel ja, weil damit weniger Zeit für den Autoverkehr wäre. Deshalb gibt man gar kein Grün, die Fußgänger müssen ggf. 70 Sekunden auf den nächsten Durchlauf warten.

      – Deshalb wird vermutet, dass Bettelampeln die Akzeptanz der Fußgängerampel verringern. Fußgänger sind schnell von vermeintlich sinnlosen Wartezeiten genervt. Das würde letztlich die Verkehrssicherheit reduzieren, weil vermehrt bei Rot gegangen wird. (Und das sogar nachvollziehbar.)

      – Eine Bettelampel ist für den Radverkehr negativ, weil es keine Möglichkeit mehr gibt, ohne Anhalten über die Kreuzung zu kommen – Ausnahme: jemand anderes hat schon gedrückt.

      – Und es wird kritisiert, dass Bettelampeln das Signal aussenden, Radfahrer und Fußgänger seien zweite Klasse im Straßenverkehr, die sich dem Auto unterordnen müssten.

      • Oliver Blau sagt:

        Die Situation ist tatsächlich exakt so, wie von Ihnen mit den Teilstrichen geschrieben. An der Real-Kreuzung passiert genau dies, man muss schon Glück haben, gerade noch rechtzeitig Grün für sich anzufordern. Dort sind wenig Radfahrer und Fussgänger unterwegs, aber richtig viele PKW. Denen die Prio zu geben, macht Sinn. Bin selbst dort häufig als Radfahrer unterwegs.

        • H. Sazmann sagt:

          OK, Sie bekommen meine Meinung 🙂

          Richtung Gewerbegebiet, ja, da lässt sich die Entscheidung zur Bettelampel für mich noch nachvollziehen.

          Dass die Gemeinde aber die Ampeln mitten im Zentrum auf diesen Modus umstellen ließ, ist Unsinn und keine intelligente Verkehrspolitik. Damit wird die Hamburger Straße noch mehr zur Trennschneise in Ulzburg und die Erreichbarkeit des Bahnhofs für den nichtmotorisierten Verkehr schlechter. Das passt überhaupt nicht zu den leise geäußerten Zielen, Fuß- und Radverkehr attraktiver zu machen.

  7. S. Werner sagt:

    Es is schon verwunderlich, dass man einem Fußgänger durch die unsägliche Bettelampelregelung ruhig zumuten kann, bei Wind und Wetter 70 manchmal quälend lang erscheinende Sekunden auf Grün zu warten, während die Autofahrer fröhlich in ihren warmen und trockenen Autos an einem vorbeibrausen. Gerade in der dunklen und kalten Jahreszeit verleitet das durchaus zum Überqueren der Straße bei roter Ampel. Kann man durchaus verstehen…

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