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Sonderausschuss, drei Jahre Bearbeitungszeit, hunderttausende Euro teuer: Superanalyse rollt an | Henstedt-Ulzburger
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Sonderausschuss, drei Jahre Bearbeitungszeit, hunderttausende Euro teuer: Superanalyse rollt an

Die Gemeinde hat ja schon einige Gutachten erlebt, aber jetzt rollt eine Analyse der Superlative auf Henstedt-Ulzburg zu. Die Ortspolitiker haben im jüngsten Umwelt- und Planungsausschuss das sogenannte Gemeindeentwicklungskonzept vorangetrieben. Gebilligt wurde ein von der Rathausführung vorgestellter 34-Monatsfahrplan. Während CDU-Vertreter Jens Müller angesichts des fast dreijährigen Bearbeitungszeitraums eher skeptisch in die Runde schaute, gab es Kopfnicken für den Zeitrahmen von Jens Iversen. Der BFB-Chef: „Das Ding soll ein großer Wurf werden, Qualität geht vor Schnelligkeit.“

Die Uhr tickt also ab jetzt, nimmt man die Vorbereitungszeit hinzu, werden sich die gemeindlichen Gremien am Ende fünf Jahre mit der Superanalyse befasst haben, bevor Ergebnisse vorliegen. Die ersten Schritte für das zu Beginn noch als Stadtentwicklungskonzept titulierte Projekt, wurden bereits vor zwei Jahren eingeleitet. Doris Grondke, Baurätin der Stadt Buchholz, war eingeladen worden. Der Ort in Niedersachsen hatte ein Stadtentwicklungskonzept bereits hinter sich gebracht. Grondkes sinngemäße Expertenempfehlung damals: ‚Machen Sie das Gutachten bloß selber!“. Wörtlich sagte sie: „Ich halte nichts davon, so ein Gutachten fremd zu vergeben. Sie brauchen Leute, die dafür brennen und nicht ihre Stunden zählen.“

Die Ortsentscheider haben den Rat beherzigt – und mit Kristi Grünberg eine neue Ortsplanerin eingestellt – frisch von der Hafen-City-Universität. Grünberg stand Anfang Oktober erstmals am Ratssaal-Mikro im Umwelt- und Planungsausschuss, erklärte in einer 20-seitigen Power-Point-Präsentation den derzeitigen IGEK-Planungsstand. Derzeit befinde sich die Gemeinde in der Startphase, anschließend folge eine 10 monatige Phase der Bestandsaufnahme und des Dialogs, so Grünberg. Mit Bestandsaufnahme ist etwa die Hervorholung zahlreicher Konzepte und Gutachten gemeint, die die Gemeinde in den letzten Jahren bereits für teures Geld eingekauft hat. Die sollten gebührend berücksichtigt werden, forderte Gemeinderat Jens Müller.

Was am Ende raus kommt beim Supergutachten ist noch unklar, die Ortsentscheider erhoffen sich Antworten auf die Frage, wie Henstedt-Ulzburg in der Zukunft einmal aussehen soll. Grünberg sprach von einer Vision für die Gemeinde, die Einwohner sollen in sogenannten Bürgerwerkstätten daran mitarbeiten.

Fest steht dafür, dass Henstedt-Ulzburg wohl so tief wie noch nie in die Tasche greift, um ein Konzept zu erstellen. Nicht unwahrscheinlich, dass für Personalkosten und externen Sachverstand nach drei Jahren mehr als eine halbe Million Euro ausgegeben worden sind. Dazu muss man wissen: Für die Bezahlung von Grünberg und einen Sachbearbeiter, der noch eingestellt werden soll, um der neuen Ortsplanerin zur Hand zu gehen, stehen jährlich. 90.000 Euro bereit, hinzu kommen alleine für 2018 weitere 100.000 Euro, die für das Supergutachten laut Haushaltsentwurf ausgegeben werden können.

Eine Frage, die noch nicht geklärt ist, ist, in welchem politischen Gremium sich federführend mit dem Gemeindeentwicklungskonzept befasst werden soll. Die Rathausführung liebäugelt mit einem Sonderausschuss. Das gab es zuletzt vor mehr als 20 Jahren. Bauamtsleiter Jörn Mohr: Wir hatten zuletzt einen Sonderausschuss, als wir das Rathaus gebaut haben.“

Christian Meeder

25. November 2017

6 Kommentare zu "Sonderausschuss, drei Jahre Bearbeitungszeit, hunderttausende Euro teuer: Superanalyse rollt an"

  1. R. Finsterbusch sagt:

    Ein „Vorzeige-Beispiel“, die Stadt „Buchholz“ zu „ISEK“:
    Startschuss: Mai 2013
    Endbericht: März 2015
    – – – – –
    „IGEK“ mit Bürgerbeteiligung liegt nicht vor“, war übrigens auch eine Begründung zum Bürgerbegehren.
    – – – –
    Hier einmal ein Zitat der SPD:
    „Was für eine Perspektive für Henstedt-Ulzburg: Während die Entwicklung um uns herum weitergeht, werden wir die vor sich hinschlummernde Gemeinde am Rande der Hansestadt Hamburg sein, umgeben von expandierenden Nachbarn!“
    – – – – –
    Fällt mir das Zitat ein:
    „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

  2. Jens Daberkow sagt:

    Einen Exkurs zu den Nachbarn gefällig?

    Unsere Nachbarn wie z.B. Ellerau,Alveslohe und Kisdorf machen zur Zeit ähnliche Fehler wie Henstedt-Ulzburg in den letzten Jahrzehnten gemacht hat.Es entstehen überall in den umliegenden Orten Wohngebiete ohne das es neue Hauptverkehrsadern gibt. Einzig Kaltenkirchen hat in den letzten Jahren eine neue große Entlastungsstraße gebaut.Ergebnis wird auch dort sein zunehmender Individualverkehr auch Dank eines knappen ÖPNV Angebotes.Radverkehr ist in diesen Orten ja auch nicht wirklich vorgesehen den eine ordentliche ernst zunehmende Infrastruktur gibt es dafür nicht.

    • Rolf Michelsen sagt:

      Hallo Herr Daberkow ! Kleine Ergänzung. Die Stadt Pinneberg baut eine Westumgehung ab BAB-Abfahrt am Ortskern vorbei zur Entlastung mit Einfädelung Am Kreisel, wo es u.a. nach Wedel oder Mooregge geht.
      Norderstedt hat den Friedrichsgaber Weg (Nordteil) neu trassiert mit Anschluß an den Abzweiger nach Quickborn / Waldstraße zur Entlastung der Ulzburger Straße und weiter Richtung Rathausallee und dann weiter auf dem Friedrichsgaber Weg mit 3 neuen Kreisverkehren und Abzweigung am Kreisel Heinrich-Plambeck-Allee Richtung Berliner Allee. Desweiteren plant Norderstedt eine weitere Trasse ab ca. Oadby and Winston-Straße zum alten Ortskern von Garstedt vorbei Richtung Ohechaussee – zur weiteren Entlastung des bisherigen Verbindungben in Nord-Süd-Richtung. Hier wird also systematisch weiter geplant. Die S-H-Straße ist auch schon heute stark frequentiert.
      Aber HU ist ja nur „Dorf“ und keine Stadt wie Kaki, Pinneberg oder Norderstedt. Auch die Stadt Bad Bramstedt hat eine Ortsumgehung am südlichen Rand schon vor Jahren gebaut. HU ist eben „Provinz“ ………mit zunehmenden Staus dank Neubauten und Logistik, gewürzt von innerörtlicher Verdichtung ohne Ausweitung eines ÖPNV:

      • Die Westumgehung PI war über Dekaden der „Running Gag“ zu Kommunalwahlen: Oft versprochen, jedesmal wieder in der Schublade verschwunden. Das das nochmal was geworden ist, lässt mich positiv-fassungslos zurück.
        Wir müssen also einfach noch 20 Jahre dranbleiben… 😁

  3. Die neue Ortsentwicklerin kommt mit nagelneuem Wissen frisch von der Uni und ist an den Animositäten und Richtungsstreitigkeiten nicht beteiligt. Eine junge Frau geht sicherlich auch viel moderner und integrativer an das IGEK-Vorhaben ran. Klingt für mich schon mal ganz gut, vorab sollte man erstmal optimistisch sein. Das am Ende Verwaltung & GV entscheiden sollen, ist ja eigentlich normal. Ob dann nach vielen Jahren die Ergebnisse der Bürgerwerkstätten usw. nur „zur Kenntnis“ genommen werden um sodann das genaue Gegenteil zu beschließen, oder ob die Resultate der Frau Grünberg auch in konkrete Politik umgesetzt werden, steuern wir Bürger alle gemeinsam bei der nächsten Kommunalwahl Mai 2018. Dort bekommen wir hoffentlich eine Zusammensetzung der Gemeindevertretung zustande, die auch eine fruchtbare Mitwirkung während des IGEK-Verfahrens und bei der Umsetzung der Ideen erwarten lässt. Diese kommen dann also in Zusammenarbeit mit den interessierten Bürgern zustande, ist doch schon mal was. Bürger, die also dafür brennen und nicht auf die Uhr gucken -> dabei die Pendler nicht vergessen!

  4. Dirk Barckmann sagt:

    Sonderausschuss, Superanalyse … Wenn ich das schon wieder höre/lese … Ich glaube es gibt zu wenig Rathausfenster gen Hamburger Strasse ausgerichtet. Ein Blick da raus und man weiss/sieht eigentlich schon eine ganze Menge.

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