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Erste Hilfe fürs Baby – Was ist zu tun bei Erkrankungen und Notfällen im Kindesalter? | Henstedt-Ulzburger
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Erste Hilfe fürs Baby – Was ist zu tun bei Erkrankungen und Notfällen im Kindesalter?

Interessiert lauschen die jungen Eltern dem Kinderarzt

Interessiert lauschen die jungen Eltern dem Kinderarzt

Der Vortragssaal in der Paracelsusklinik hatte sich langsam gefüllt. Einige Hochschwangere wurden von ihren Ehemännern begleitet, andere brachten ihre Neugeborenen gleich mit. Und auch einige jung gebliebene Großmütter wollten sich informieren, wie man im Notfall handelt, um für das ihnen anvertraute Enkelkind das Richtige zu tun. Sie alle waren gekommen, um Verantwortung zu übernehmen, wenn sie plötzlich mit einer unerwarteten Situation konfrontiert werden sollten.

Die Begrüßung des Kinderarztes Uwe Thiede fiel sehr herzlich aus, um den Druck von den jungen Eltern zu nehmen – mit dem Hinweis, dass grundsätzlich alles getan wird, um dem Kind schnellstmöglich zu helfen. Doch vor dem Eintreffen des Notarztwagens seien bestimmte Aktionen notwendig, die nur die Eltern leisten können. Als Intensivmediziner und Neonatologe war ihm kein Notfall fremd, und seine Bemerkung „Kinder sind etwas ganz Besonderes“ schaffte bei seinen jungen Zuhörern gleich das richtige Vertrauen.

ie lebensrettende Mund-zu-Mund-Beatmung

ie lebensrettende Mund-zu-Mund-Beatmung

„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“, betonte er, „sie haben eine ganz andere Anatomie und andere Erkrankungen als wir und brauchen dementsprechend auch andere Medikamente. Kinder haben nur eine kurze Sauerstoffreserve, der Wärmehaushalt ist noch ein anderer als beim Erwachsenen. Ein Kind kühlt schnell aus, hat keine Reserven und ist daher viel kälteempfindlicher. Deshalb darf es nicht zur Unterkühlung kommen.“ Ein fieberndes Kind dagegen gerät leicht in einen Wärmestau, und es ist sehr anfällig für Wassermangel. Bei Durchfall muss die Flüssigkeit regelmäßig ersetzt werden, weil ein Sechstel des kleinen Körpers aus Flüssigkeit besteht. Wasserverlust kann also sehr schnell lebensbedrohlich sein.

„Die häufigste Todesursache ist immer noch der plötzliche Kindstod. Er wird hervorgerufen durch eine angeborene Fehlbildung oder eine Infektion. Aber – der plötzliche Säuglingstod ist zum Glück weitgehend zurückgegangen“, sagte der Kinderarzt. „ Von 700.000 Geburten sind keine 200 daran gestorben. Leider gibt es bis heute keine Erklärung dafür. Ein großer Erfolg ist die Rückenlage beim Schlafen. Und der Babyschlafsack. Bloß keine Decken verwenden. Der Klassiker: Die Kleinen krabbeln drunter und ersticken. Die unbeobachtete Bauchlage ist also am gefährlichsten. Auf dem Bauch liegen sollen die Kleinen gern außerhalb des Bettes, wenn die Eltern dabei sind.“ Wichtig sei auch, dass das Baby zwar im Elternschlafzimmer schläft, aber im eigenen Bett. Im Elternbett wäre es viel zu gefährlich.

Beim Fieberkrampf (ab 38 Grad und höher) kommt es häufig zum Bewusstseinsverlust, gepaart mit einer Nackensteifigkeit und Krampfanfällen. In diesem Fall muss sofort die Feuerwehr 112 angerufen werden, weil die Symptome auf eine Hirnhautentzündung hinweisen könnten. Bei Fieber über 38 Grad gibt der Kinderarzt bei einer bakteriellen Infektion Antibiotika, wobei 80 Prozent virale Infektionen sind, die nicht medikamentös behandelt werden können. Dann weiß der Arzt Rat. Wenn das Kind reichlich trinkt, kann man ihm bei Fieber auch Ibuprufen oder Paracetamol verabreichen: als Saft, Tabletten oder Zäpfchen. Wenn ein Säugling nur ein bisschen fiebert, dabei aber gut trinkt, sollte man nicht gleich zum Arzt fahren, sondern abwarten, wie es sich entwickelt.

Der Kinderarzt demonstriert die Reanimation

Der Kinderarzt demonstriert die Reanimation

Der gefürchtete Pseudokrupp geht mit einer Schleimhautschwellung einher, vorwiegend im Herbst und Winter. Es kommt für das Kind zu erheblicher Luftnot, lässt sich aber gut behandeln. Möglichst keinen Stress aufkommen lassen, mit dem Kind in den Garten gehen, um frische Luft einzuatmen oder die Dusche im Badezimmer laufen lassen. Am schnellsten hilft ein Kortisonzäpfchen. Sehr ähnlich ist die Symptomatik bei einer Kehldeckelentzündung, die von Bakterien ausgelöst wird. Ist ein Klinikaufenthalt erforderlich, sollte es nicht zu einer Eltern-Kind-Trennung kommen. Der Stress wäre auf beiden Seiten zu groß.

Wenn ein Fremdkörper verschluckt wird, kommt es zu einer Erstickungssymptomatik, Eine 1-Euro-Münze passt meist noch durch Magen und Darm, eine z-Euro-Münze nicht mehr. Oft kommt es dazu, wenn Kinder gleichzeitig spielen und essen. Ein Stück Möhre, das im Hals steckte, verursachte durch einen Hustenreiz sogar einen Riss in der Luftröhre! Asthma-Anfälle werden durch eine obstruktive Bronchitis verursacht. Sie dürfen nur von einem Kinderarzt behandelt werden, da Erstickungsangst, Husten und Würgen das Ganze nur verschlimmert.

„Zeckenstiche sind in unseren Breiten längst nicht so gefährlich wie in Süddeutschland, vor allem in Bayern. Obwohl sie die gefürchtete Borreliose übertragen. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, lässt sein Kind dagegen impfen. Zum Arzt sollte man gehen, wenn sich an der Einstichstelle ein rosa Ring zeigt.“ Bei Verbrennungen kommt es darauf an, wie großflächig die Verletzung der Haut ist, vor allem kühlen, ein Schmerzmittel geben, die betroffenen Fläche mit einer sterilen Wundauflage abdecken und darauf achten, dass die Kühlung keine Unterkühlung verursacht. Bei Vergiftungen kein Erbrechen hervorrufen, lieber sofort in die Kinderklinik fahren. Auch ein Rauchmelder kann Schlimmes verhindern. Prophylaxe ist alles.

Bei der notwendigen Reanimation eines Babys müssen die Eltern schnell handeln, bevor der Notarzt kommt und so schnell wie möglich die Basismaßnahmen treffen. Atemstillstand bedeutet gleich Hezrstillstand. Nach drei Minuten hört das Herz auf zu schlagen. Total falsch ist es, wenn die Eltern in Schockstarre verharren. Während der eine den Notruf 112 alarmiert (wann, wo, wie , was?), macht der andere die Handdruckmassage 15 mal kurz und heftig. Damit wird automatisch Luft in die Lunge gepresst, die Atemwege werden frei. Dann Luft holen und anfangs fünfmal in den kleinen Mund hinein pusten. Nach fünf Beatmungen sollte das System in Gang gekommen sein. Dann zweimal die Mund-zu-Mund-Beatmung, direkt danach 15 mal wieder die Handdruckmassage. So lange, bis der Rettungswagen kommt. Der kleine Brustkorb soll um ein Drittel zusammengedrückt werden. In der Mitte, weil sonst die zarten Rippen gebrochen werden könnten. Wer nicht beatmen kann, macht auf jeden Fall die Herzdruckmassage. Der Puls wird beim Kind unter der Achsel gefühlt.

Die "väterliche" Herzdruckmassage

Die „väterliche“ Herzdruckmassage

„Ganz wichtig sind auch die Vorsorgeuntersuchungen sowie der Impfausweis. Ab der 8. Woche wird eine 6fach-Impfung empfohlen, bis der Impfschutz erreicht ist. „Die Kinderlähmung spielt heute zum Glück keine große Rolle mehr – so wie in den 50er Jahren.“

Die Paracelsusklinik hat übrigens keine Kinderklinik. Dafür eine sehr modern ausgestatte Geburtsklinik. Sollte das Kind Schnell transportiert werden müssen, dann direkt in die Heidbergklinik nach Hamburg in Langenhorn. Das ist der kürzeste Weg.

Zugegeben, das alles war nicht leicht zu verkraften für die jungen Eltern, die ihr Kind vor allem Übel beschützen wollen und an diesem Abend doch mit all den Eventualitäten konfrontiert wurden. Aber der Kinderarzt war für alle zu einer Vertrauensperson geworden, der wie sie nur eines im Sinn hatte, nämlich die Kleinen zu beschützen und ihnen im Notfall so gut wie möglich zu helfen. Am Ende dieses aufwühlenden Abends ging es für alle dann noch einmal zur Sache. An einer Babypuppe mussten sie die lebensrettende Beatmung mit Herzdruckmassage an einer Babypuppe praktizieren. Was gar nicht so einfach war. Aber doch von allen gut bewältigt wurde. Was dabei überraschte, war das intensive Interesse der Väter, die dem Arzt viele kluge Fragen stellten, den weinenden Spross liebevoll nach draußen trugen, bis er sich wieder beruhigt hatte, und dabei ausgesprochen männlich wirkten. Hier hatte es sich gezeigt: die neue Elterngeneration ist für Arbeitsteilung, nimmt die Vaterrolle ernst, ist liebevoll – und einfach nur stolz auf den Nachwuchs. Schmunzelndes Schlusswort des Arztes: Kinder sollten in einer geordneten Verwahrlosung aufwachsen.“ Man kann ja leider nicht alles von ihnen fernhalten.

Gabriele David

6. August 2017

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