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Protest der Beckersbergring-Mieter gegen Abriss ihrer Siedlung – Mehrheit der Politiker schaut noch weg! | Henstedt-Ulzburger
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Protest der Beckersbergring-Mieter gegen Abriss ihrer Siedlung – Mehrheit der Politiker schaut noch weg!

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Im Bild zu sehen: vier SPD-Fraktionsmitglieder und FDP-Chef Klaus-Peter Eberhard

Bitterer Moment für zahlreiche Mieter des Beckersbergrings gestern im Ratssaal bei einer Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses. Die Anwohner der Ringstraße tragen die Hauptlast der gemeindlichen Flüchtlingsunterbringung und müssen darüber hinaus weiter um ihre Wohnungen bangen.

Die Mehrheit der Ortspolitiker weigerte sich gestern der Soka-Bau mittels Erhaltungsatzung einen Abriss der Reihenhäuser in der Ringstraße zum Platzschaffen für Wohnblocks zu untersagen. Eine Abstimmung über einen entsprechenden Antrag der WHU wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

Zunächst sollten konkrete Neubaupläne der Soka-Bau abgewartet werden, erklärte Horst Ostwald, SPD-Fraktionsvorsitzender und Chef des Gremiums, unter breitem Nicken der Ausschussmitglieder von CDU, BFB und FDP. Zahlreiche Bewohner der Ringsiedlung nahmen diese Entscheidung hingegen kopfschüttelnd zur Kenntnis.

Die Mehrheit der Ortspolitiker will weiter abwarten, Bürgermeister Bauer machte seine Haltung gegenüber den Beckersbergring-Mietern immerhin unmissverständlich klar: Er könne die Sorgen der Anwohner nachvollziehen, das Eigentumsrecht der Soka sei aber höher zu bewerten als die Mieterrechte der Anwohner, meinte der Verwaltungschef.

Mieter der Wohnsiedlung hatten vor der Sitzung gegen den angekündigten Abriss der Reihenhäuser protestiert und die Volksvertreter zum Einschreiten aufgefordert. Eine Anwohnerin später im Ratssaal verzweifelt zu den Ortsentscheidern: „Wir haben Sie doch gewählt, Sie müssen doch unsere Interessen vertreten.“

Seit der Abrissforderung der Soka-Bau vor zwei Jahren haben bereits zahlreiche langjährige Mieter kapituliert und sind weggezogen. Leerstand gibt es trotzdem kaum, die Gemeinde hat mit der Soka einen Asyl-Deal ausgehandelt: Sie mietet leerwerdende Wohnungen an und quartiert dort Asylanten ein. Derzeit seien 28 Reihenhäuser mit Flüchtlingen belegt, erklärte Bürgermeister Bauer gestern.

Die Anwohner prangerten am Montag auch eine zunehmende Verwahrlosung der Siedlung an: durch wochenlang herumstehenden Unrat gebe es mittlerweile auch ein Rattenproblem. Bauamtsleiter Jörn Mohr hielt dem entgegen, dass Ratten kein singuläres Problem des Beckersbergrings seien, die Tiere gebe es vielmehr überall, so Mohr. Henstedt-Ulzburgs oberster Baumeister weiter: „Bei mir zu Hause laufen auch welche über die Terrasse.“ Mohr wohnt im Westen der Gemeinde, im Wohngebiet Eichberg.

Wie geht es jetzt weiter im Beckersbergring?

Laut Bürgermeister Bauer will die Soka-Bau noch in diesem Monat ihre Abriss- und Neubaupläne konkretisieren, gleichzeitig rückt der letzte Trumpf der verbliebenen Alt-Anwohner langsam näher: Im Mai 2018 ist Kommunalwahl.

Die Haltung der WHU ist klar, sie will die Reihenhaussiedlung erhalten. Möglich ist zudem, dass sich zumindest die SPD der WHU-Meinung noch anschließt. Während SPD-Fraktionschef Horst Ostwald gestern einmal mehr hart und herzlos rüberkam, fühlten sich die übrigen  sozialdemokratischen Fraktionsmitglieder auf ihren Stühlen sichtbar unwohl: Sie kratzten sich am Kopf, kneteten die Hände oder schauten betreten zu Boden..

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9. Mai 2017

3 Kommentare zu "Protest der Beckersbergring-Mieter gegen Abriss ihrer Siedlung – Mehrheit der Politiker schaut noch weg!"

  1. Jens Daberkow sagt:

    zumindest dürfen die Anwohner auf Unterstützung der hiesigen Presse hoffen und ja es sind nächstes Jahr Kommunalwahlen und bis dahin wird die ein oder andere Entscheidung getroffen .
    Die Wähler werden natürlich zeitnah über über diese oder jene Entscheidung informiert und können dann ihr persönliches Urteil fällen.

  2. Rolf Michelsen sagt:

    Abriss und Neubauten bedeuten in jedem Fall höhere Mieten. Ob alle Mieter im Beckersbergring, wovon viele im Rentenalter mit reduziertem Netto-Einkommen leben, weil doch viele auch schon Jahrzehnte dort wohnen, darf bezweifelt werden.
    Vor der Landtagswahl sah man Plakate der SPD: bezahlbaren Wohnraum schaffen. Das sehe ich als krassen Gegensatz zum Abriss und Neubau. Hier im Ort fehlen, so war hier zu lesen, rund 250 Sozialwohnungen. Das weiß auch die örtliche SPD in Angesicht derTatsache, daß hier noch keine Sozialwohnungen, sichtbar durch Bauschilder, gebaut werden.
    Und bei der Entwicklung des Ortes durch Neubaugebiete vielfach mit EH, DH, RH hat die SPD auch nach Kräften mitgeholfen, wohl in der Kenntnis sinkender Renten und Netto-Einkommen.
    Resultat: keine Ortsumgehung. Wahlen im Mai 2018 kommen schneller als man glaubt……..
    Auf Landesebene hat die SPD gerade eine bittere Erfahrung gemacht……..

    • Nicole Kornath sagt:

      Und exakt die gleiche Diskussion gab es schon vor 2 Jahren und mehrfach zwischendrin.
      Was hat es gebracht? Null, nada, niente. Keine der etablierten Parteien wird hier bezahlbaren Wohnraum schaffen. Mir wird schlecht bei so viel Empathielosigkeit.

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